Am 24. April 2026 stellte Leo XIV. an Bord klar, dass der Heilige Stuhl den deutschen Bischöfen seine Haltung bereits mitgeteilt habe. Kardinal Marx bleibt damit ohne Rückendeckung aus Rom, doch der Papst setzt die Sexualmoral zugleich deutlich herab.
Eine Bremse und doch viel Wirrwarr
Papst Leo XIV. hat auf dem Rückflug von seiner elftägigen Afrikareise klargestellt, der Heilige Stuhl sei mit der „formellen Segnung von Paaren” in irregulären Situationen einschließlich homosexueller Verbindungen nicht einverstanden, sofern dies über das hinausgehe, was Papst Franziskus in Fiducia supplicans erlaubt habe. Die Erklärung fiel am 24. April 2026 an Bord der päpstlichen Maschine auf dem Weg von Äquatorialguinea nach Rom. Für Kardinal Marx heißt es konkret: Einen Gang zurück, bitte Tempo halten. Das Tempo gibt Fiducia supplicans an.
Anlass war eine Journalistenfrage zu Kardinal Reinhard Marx, der in München-Freising die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft” zur verbindlichen Grundlage seelsorglichen Handelns erhoben hatte. Kein Priester darf ein Paar, das eine Segnung erbittet, abweisen. Das Maximum bleibt ein Verweisen innerhalb der Strukturen. Leo XIV. sagte dazu:
„Wenn wir heute darüber hinausgehen, denke ich, dass das Thema mehr Uneinigkeit als Einheit stiften kann, und dass wir nach Wegen suchen sollten, unsere Einheit auf Jesus Christus und das, was Jesus Christus lehrt, zu gründen.”
Der Heilige Stuhl habe den deutschen Bischöfen seine Haltung bereits klar mitgeteilt, erklärte Leo XIV. Details zu diesen Mitteilungen nannte er nicht. Auf die Formel des verstorbenen Papstes Franziskus, „Tutti, tutti, tutti”, zurückgreifend, sagte Leo: „Alle sind willkommen, alle sind eingeladen. Alle sind eingeladen, Jesus nachzufolgen, und alle sind eingeladen, in ihrem Leben nach Bekehrung zu streben.”
Sexualmoral — eine bemerkenswerte Verschiebung
So eindeutig das römische Nein an Marxens Dienstpflicht ausfiel — an anderer Stelle ließ Leo XIV. aufhorchen. Gleich zu Beginn seiner Antwort relativierte er die Bedeutung der Sexualmoral für die kirchliche Lehre grundsätzlich:
„Zunächst einmal halte ich es für sehr wichtig zu verstehen, dass sich die Einheit oder Spaltung der Kirche nicht um sexuelle Fragen drehen sollte.”
Und weiter:
„Wir neigen dazu zu denken, dass, wenn die Kirche über Moral spricht, das einzige moralische Thema das sexuelle ist, und in Wirklichkeit glaube ich, dass es viel größere und wichtigere Themen gibt, wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Freiheit von Männern und Frauen, Religionsfreiheit, die alle Vorrang vor diesem speziellen Thema hätten.”
Die Liste verdient genaues Hinsehen. Der vom Papst gewählte Begriff „Gleichberechtigung” und insbesondere die „Freiheit von Männern und Frauen” hingegen sind Formeln, die im säkular-liberalen Diskurs fest verankert sind und in der katholischen Tradition in dieser Form keinen Vorrang vor der Sexualmoral beanspruchen können. Die Unauflöslichkeit der Ehe, die Ordnung von Mann und Frau, das sechste Gebot — all das war für die Kirche nie ein Randthema, sondern betrifft unmittelbar das Heil der Seelen. Leo XIV. degradiert es hier zum „speziellen Thema”.
Dass aus Rom kein grünes Licht für Marx kommt, ist deshalb zwar ein wichtiger Dämpfer für den deutschen Sonderweg. Ob eine Zurückweisung, die die Sexualmoral zugleich rhetorisch herabstuft, einen tatsächlichen Schaden mindert, sollte mittlerweile beantwortet sein.
Quellen: CNA Deutsch · Kathpress




