O Jesus, du hast gegenüber denen, die dich zum Tode verurteilten, geschwiegen; lehre mich die Kunst mich nicht zu entschuldigen!
Jeder persönliche Mangel, jede Schuld, jeder Irrtum unsererseits treibt uns unwillkürlich zur Suche nach Entschuldigungen. Dies ist die Taktik des Stolzes, der das eigene Unrecht nicht zugeben will. Das taten schon Adam und Eva nach dem Sündenfall. Das tut instinktiv jeder Mensch, kaum dass er einem Irrtum erlegen ist. Doch fügt dies der Seele schweren Schaden zu. Man kann sich ja nicht von Fehlern befreien, die man nicht anerkennt. Man muss also den Mut haben, die erfindungsreichen, aber haltlosen Konstruktionen der Eigenliebe zu entlarven, die eigenen Mängel bloßzulegen und ihnen ins Antlitz zu sehen so wie sie sind, ohne sie jemandem anderen als uns selbst zuzuschreiben.
“Begehen wir einen Fehler, so dürfen wir ihn nie einer körperlichen Ursache, etwa der Krankheit oder der Jahreszeit oder anderen Umständen zu schreiben, sondern unserer Unvollkommenheit. Die Umstände sind es nicht, die den Menschen gebrechlich machen, aber sie zeigen, dass er es ist.”
– Theresia vom Kinde Jesu
Oftmals empfindest du bei Zurechtweisungen, dass sie deinen Fehlern und Mängeln nicht ganz entsprechen. Und du bedenkst nicht, dass dies eine unvermeidliche Folge menschlicher Begrenztheit ist. Gott allein, der in den Herzen liest, vermag mit aller Gerechtigkeit unser Tun zu beurteilen. Die Menschen sehen nur das Äußere; darum treffen sie nicht immer ins Schwarze, sondern irren leicht durch zu viel oder zu wenig. Wolltest du nur die Bemerkungen annehmen, die voll und ganz auf deine Fehler zutreffen, so müsstest du dich allzu oft entschuldigen, deine Gründe darlegen. So aber verlörest du allen Gewinn, den du aus den Zurechtweisungen ziehen könntest, wenn du sie mit demütigen Herzen annimmst.
“Sind wir unschuldig in dem, was man uns vorwirft, so sind wir doch nicht so frei von Schuld, wie der gute Jesus es war…”
– Theresia vom Kinde Jesu
“Und Jesus schwieg.”
– Matthäus 26, 63
Herr, gib mir die nötige Demut, um gutwillig die Zurechtweisungen durch andere anzunehmen. Lösche mit deiner Milde meine Empfindlichkeit, die so rasch auflodert, so lange nachträgt, und gewähre mir die Gnade, deine Sanftmut und Demut vor den Richtern nachzuahmen. Amen.
Quelle: Geheimnis der Gottesfreundschaft





