Was der hl. Matthias einer selbstvergessenen Kirche zu sagen hat

Das Beil ist sein Attribut, das Werkzeug der Handwerker, die ihn als Schutzheiligen verehren, und zugleich das Zeichen seines Martyriums.

„Mache dir den Leib durch Abtötung Untertan, damit der Geist dem Gekreuzigten ähnlich werde.”

— Klemens von Alexandrien über das Vermächtnis des Apostels Matthias

In Trier, an der silberglänzenden Granitfassung seines Sarkophages, knien täglich Menschen nieder, Pilger, keine Touristen, Betende, keine Besichtigenden. Es ist das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen, und es liegt nicht in Rom, nicht in Santiago, nicht in einer der großen Metropolen des modernen Kirchenbetriebs. Es liegt an der Mosel, in einer romanischen Abteikirche, die nach einem Mann benannt ist, dessen Name in kaum einer Predigt noch fällt: Matthias.

 

Der Mann, den die Stille heiliggesprochen hat

Der hl. Matthias ist der Apostel ohne Biographie. Kein Evangelist hat seinen Stand verzeichnet, keiner seine Herkunft, keiner seine ersten Begegnungen mit dem Herrn. Von früher Jugend an lernte er in Jerusalem unter dem hl. Simeon die heiligen Schriften und das Gesetz Gottes. Er lebte ein gottgefälliges Leben, still, regeltreu, dem Gebot unterworfen. Als Christus zu predigen begann und Wunder tat, folgte Matthias Ihm aus eigenem Antrieb nach, ohne dass man ihn rief, bereit, alles zurückzulassen, um dem Gottessohn zu dienen.

Er zählte zu den Zweiundsiebzig, nicht zu den Zwölf. Das ist eine theologisch bedeutsame Asymmetrie, die die moderne Kirche kaum noch zu lesen versteht: Matthias diente drei Jahre lang als Jünger ohne Amt, ohne Titel, ohne den Rang, der ihn in der Hierarchie sichtbar gemacht hätte. Er diente in der Anonymität des Gehorsams, und diese Anonymität war die Schule, in der Gott ihn auf das vorbereitete, was noch kommen sollte.

Petrus legte die Kriterien für die Nachfolge des Judas fest: Der neue Apostel müsse von Anfang an Zeuge der Taten Jesu gewesen sein, von der Taufe durch Johannes bis zur Himmelfahrt, und die Auferstehung aus eigener Erfahrung bezeugen können. Matthias erfüllte diese Bedingungen vollständig, weil Gott ihn durch die Schule der Demut geführt hatte, ehe er ihn mit dem Apostelamte bekleidete.

 

Das Los als theologisches Bekenntnis

Die Apostel beteten vor der Losung: „Du, Herr, der du die Herzen aller kennst, zeige, welchen von diesen beiden du erwählt hast.” Sie sagten nicht ‚Wähle’, sondern ‚Zeige uns, welchen du bestimmt hast’, in dem Wissen, dass alles bereits von Gott festgelegt ist. Sie warfen das Los, weil sie sich nicht für würdig hielten, die Wahl selbst zu treffen.

Dieser Akt vollständiger Selbstentäußerung ist dem modernen Kirchenmann schier unbegreiflich, jenem Typus, der Synodenprozesse entwirft, Abstimmungsmechanismen verfeinert und die Wahl von Hirten an demokratische Mehrheiten zu binden versucht. Die Apostel der Urgemeinde haben sich geweigert, über die Berufung eines Boten Gottes nach menschlichen Kriterien zu urteilen. Sie haben gebetet und das Los geworfen. Die Demut dieser Geste steht in einem Abstand zur gegenwärtigen Synodalkultur, der sich mit keiner historischen Einordnung überbrücken lässt.

Klemens von Alexandrien schreibt: „Nicht dass sie als Apostel auserwählt wurden aufgrund hervorragender Eigenschaften ihrer Natur, denn auch Judas war zusammen mit ihnen auserwählt. Matthias, der nicht mit ihnen auserwählt war, zeigte sich würdig, ein Apostel zu werden, und tritt an die Stelle des Judas.” Die Würdigkeit des Matthias bestand darin, treu geblieben zu sein, als andere flohen, als der Verrat die Zwölfzahl zerrissen hatte und die Dunkelheit über dem Apostelkollegium lastete. Fortan wurde Matthias deshalb „Apostel der Treue” genannt, da er an die Stelle des Judas trat, der Jesu nicht treu geblieben war.

 

Das Vermächtnis des Klemens: Abtötung als Weg zur Gleichförmigkeit mit Christus

Klemens von Alexandrien hat uns das einzige gesicherte Wort des Apostels überliefert:

„Mache dir den Leib durch Abtötung Untertan, damit der Geist dem Gekreuzigten ähnlich werde.”

Dieser Satz ist in seiner Kürze eine vollständige Aszetik.

Die Kirche unserer Tage hat mit der Mortificatio abgeschlossen. Man predigt Selbstentfaltung, man spricht von der „Würde des Menschen” und meint damit die Berechtigung, den eigenen Neigungen zu folgen, ohne sich dem Kreuz zu unterwerfen. Der hl. Matthias antwortet darauf mit der Nüchternheit eines Mannes, der weiß, was das Kreuz kostet: Erst wenn der Leib dem Geist untertan ist, kann der Geist dem Gekreuzigten ähnlich werden. Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar, und der Gehorsam gegen die eigene Natur ist die Voraussetzung für die Gleichförmigkeit mit Christus.

 

„Wirket euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern.”

— Phil 2,12

Matthias hat dieses Wort gelebt: durch drei Jahre Jüngerschaft ohne Amt, durch das Lossystem der Apostelwahl, durch Predigt in Ländern, die keine Gasthäuser für christliche Boten bereithielten, und schließlich durch den Märtyrertod unter dem Beil.

 

Der Märtyrer und das Beil

Matthias wirkte in Judäa für den Glauben, wurde wegen seiner Heilungen, Bekehrungen und gelehrten Predigten beim Hohen Rat verklagt, zum Tode verurteilt, gesteinigt und nach römischem Brauch mit dem Beil enthauptet. Das Beil ist seitdem sein Attribut, das Werkzeug der Handwerker, die ihn als Schutzheiligen verehren, und zugleich das Zeichen seines Martyriums. Er hat im Tod nur fortgesetzt, was er im Leben getan hatte: sich dem Willen Gottes unterworfen.

 

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