„Den Gläubigen ist es egal“ — Bischof Bonny und das Ende des priesterlichen Ethos

Bischof Johan Bonny von Antwerpen hat ein kirchenpolitisches Ultimatum veröffentlicht | Youtube Screenshot Montage

Bischof Johan Bonny von Antwerpen hat am Hochfest des heiligen Josef einen Hirtenbrief veröffentlicht, ein kirchenpolitisches Ultimatum. „Aus diesen Gründen werde ich alles in meiner Kraft Stehende tun, um bis 2028 einige verheiratete Männer für unser Bistum zu Priestern zu weihen“, schrieb er. Und auf die Frage, was er tun werde, sollte Rom diese Absicht ausdrücklich untersagen, antwortete er am 7. April gegenüber katholisch.de schlicht: „Das werden wir 2028 sehen.“ 

 

Die Grammatik der Selbsttermächtigung

Bonnys Argumentation folgt einem mittlerweile vertrauten Muster. Die Not ist real, der Priestermangel in Westeuropa ist unbestreitbar. Seine Schlussfolgerung ist radikal falsch. Bonny setzt das Faktische gegen das Normative: weil die Zahl unverheirateter Männer, die Priester werden wollen, laut seinen eigenen Worten auf „nahezu null“ gesunken sei, müsse die Kirche ihr Wesen verändern.

Als hätte Toledo nie existiert. Die Erzdizöese in Spanien, die konsequent auf lehramtliche Treue, solide geistliche Ausbildung und tridentinische Tradition setzt, feiert jedes Jahr doppelte Priesterweihen. Als hätte der Münchner Priester und Pastoraltheologe Andreas Wollbold nicht jüngst eine tausendseitige Quellensammlung zum Zölibat vorgelegt, die nachweist, dass die priesterliche Ehelosigkeit schon in der frühen Kirche üblich war und die Weihe verheirateter Männer eine Abweichung von der Regel wäre. Der Zölibat ist keine Verwaltungsvorschrift, die man kürzt, wenn das Büro unterbesetzt ist. Er ist ein eschatologisches Zeichen: die prophetische Vorwegnahme jener vollendeten Gottesgemeinschaft, in der nicht geheiratet wird.

„Den Gläubigen ist es egal“

Das entscheidende Zitat hat Bonny am 7. April gegenüber katholisch.de abgeliefert. Den Gläubigen sei es egal, sagt er, ob ihr Priester „zölibatär lebt oder verheiratet ist“.

Nicht der Ungehorsam gegenüber dem Kirchenrecht. Nicht die Dreistigkeit, dem Papst öffentlich eine Frist zu setzen. Der Abgrund ist diese Theologie des religiösen Konsumenten: der Priester als Dienstleister, dessen Lebensvollzug für das Volk Gottes irrelevant ist, solange er die Sakramente liefert. Es ist exakt jene Verwandlung des geweihten Priesters in einen pastoralen Funktionär, die die Kirche im Westen in die Krise geführt hat. Bonny empfiehlt sie als Heilmittel.

Die Frage, die er nicht stellt, ist: Woher kommen Berufungen? Woher kommen Männer, die ihr Leben radikal Gott weihen wollen? Nicht aus Bistümern, die den Zölibat als überwundene Disziplin behandeln. Berufungen entstehen dort, wo das Opfer ernst genommen wird, wo das Priesteramt als ontologische Verwandlung gilt und nicht als Berufsrolle mit familienfreundlichen Arbeitszeiten.

 

Das Dossier eines Systematischen

Man darf Bonny nicht isoliert betrachten. Kath.net erinnert daran, dass der Bischof von Antwerpen als langjähriger Befürworter von LGBT-Anliegen bekannt ist. Im Jahr 2023 deutete er unter bestimmten Bedingungen eine moralische “Akzeptanz” von Euthanasie an, eine Position, die in direktem Widerspruch zur kirchlichen Lehre steht. Im selben Hirtenbrief vom März 2026, in dem er die Zölibatsabschaffung ankündigt, bezeichnet er den Bericht der päpstlichen Synodalkommission gegen den Frauendiakonat als „theologisch schwach und anthropologisch überholt“. „Der erste Schritt ist die Priesterweihe verheirateter Männer“, sagte er Anfang April gegenüber katholisch.de. Die Implikation über das Endziel ist unüberhörbar.

Das Muster ist vollständig: Euthanasie, Homosexualität, Frauenordination, Zölibat. Er ist ein systematischer Modernisierer, der jeden Einbruch als Einstieg für den nächsten nutzt. „Jedes weitere Hinausschieben wirkt wie eine Ausrede“, schrieb er im März. Bemerkenswert: Die gleiche Logik hat die Kirche in England und Wales in eine anglikanische Richtungslosigkeit geführt, aus der es keinen Rückweg gibt.

 

Die organisierte Revolte

Gegenüber katholisch.de erklärte er: „Ich kenne viele Bischöfe und fast alle — meist aus Westeuropa — sagen mir, dass sie auch verheiratete Männer weihen wollen. Ich habe noch keinen katholischen Bischof gehört, der mir gesagt hat: Auch wenn der Papst mir die Möglichkeit gibt, werde ich keine verheirateten Männer weihen.“ Weiter: „In Rom wissen sie, wie es uns hier geht und ich kenne Bischöfe und Kardinäle, die so eine Lösung zumindest für Westeuropa befürworten.“

Es ist der Lagebericht einer informellen Koalition, die auf den günstigen Moment wartet. Bonny spielt auf Zeit und auf eine Stimmungsänderung in Rom. Was er als pastoralen Notstand beschreibt, ist in Wirklichkeit der Mehltau des Nihilismus in bischöflichem Ornat: die stille Überzeugung, dass die Wahrheit verhandelbar wird, wenn der Pragmatismus nur lange genug anhält.

Bevor man Bonny als harmlosen Bistumstaktiker abtut, sollte man sich die Dimension vergegenwartigen. Der Zölibat im lateinischen Ritus ist nicht nur eine disziplinäre Frage, wie seine Befürworter der Abschaffung gern betonen. Er ist tief verwurzelt in der theologischen Selbstbeschreibung des Priestertums: als Alter Christus, als eschatologisches Zeichen, als Akt der ungeteilten Hingabe. Seine Abschaffung würde das Priesterbild im Westen für Generationen verändern, nicht bessern.

Zudem öffnet jede Ausnahme in einer Weltkirche einen Spalt, durch den alle folgenden Forderungen eintreten. „Die Frage ist nicht mehr, ob die Kirche auch verheiratete Männer zu Priestern weihen kann, sondern wann sie das tun wird und wer es tun wird“, schreibt Bonny.

 

Die Kirche braucht keine verheirateten Priester

Sie braucht Bischöfe, die beten statt pokern, die die Wahrheit des Zölibats nicht als Kostenstelle, sondern als Zeugnis begreifen. Sie braucht Gemeinschaften wie Toledo, die beweisen, dass der Zölibat kein Priestermangelproblem erzeugt, sondern es löst. Und sie braucht einen Papst, der das ausspricht, klar, zeitnah und ohne Ambiguät. Leider, so müssen wir feststellen, scheint der Heilige Vater kaum eine Einsicht zu zeigen. Und das genau deshalb, weil er selbst ein Kind des Konzils ist. Dessen “Geist” er fördert und fordert.

 

Quellen: CNA Deutsch, kath.net, katholisch.de

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