Alte Liturgie in das neue Messbuch?

Der Leiter der Chartres-Wallfahrt hat den Integrations-Vorschlag des Abtes von Solesmes zurückgewiesen. Mit vollem Recht. Denn wer die alte Liturgie in das neue Messbuch einfügt, beerdigt sie auf leisen Sohlen.

 

Die freundliche Falle

Abt Kemlin hatte seinen Vorschlag im März öffentlich gemacht, nachdem er Papst Leo XIV. im November 2025 in Rom persönlich begegnet war. „Ich war tief berührt von diesem freundlichen Blick und verspürte das Bedürfnis, ihm mitzuteilen, was mich bewegte: Ich muss mit dem Heiligen Vater über das Leid sprechen, das durch die Spaltung verursacht wird”, sagte er laut dem Portal Aleteia. Aus diesem Leid heraus empfahl er dem Papst, den alten Ordo in das “Missale Romanum” einzufügen, damit die Gläubigen der überlieferten Form einbezogen werden könnten. In seinem Brief an Leo XIV. schrieb Kemlin: „Anstatt zu spalten und abzulehnen, würde uns diese Lösung ermöglichen, die Gläubigen, die dem alten Messbuch verbunden sind, einzubeziehen und willkommen zu heißen, ohne diejenigen, die der neuen Ordnung verbunden sind, zu verärgern oder auszugrenzen.”

Theologischer Vandalismus.

 

Das Kalenderopfer

Für die Gläubigen der überlieferten Form wäre nämlich die Übernahme des neuen Kalenders und des neuen Lektionars vorgesehen.

Darantière hat das klar gesehen. Mit der Einführung des neuen Kalenders seien Feste von besonderer christozentrischer Bedeutung gestrichen worden, erklärte er: darunter das Fest des Kostbaren Blutes und das Fest des heiligen Namens Jesu. „Er schuf einen Bruch und zerstörte alle Bezugspunkte, auf denen die Weitergabe des Glaubens beruhte.” Die Übernahme des neuen Kalenders bedeutet: keine alte Messe mehr, die noch alt ist. Man erhält ein Fossil, ausgestopft und aufgestellt, seiner Seele beraubt. Das Resultat wäre die Auflösung der überlieferten Liturgie auf dem Verwaltungsweg, ohne offene Konfrontation, mit Lächeln.

Darantière greift in seiner Antwort auf ein Argument zurück, das einem anonymen Benediktinermönch entstammt und das er ausdrücklich als zutreffend bezeichnet: „Im Grunde ist die Pädagogik des reformierten Ritus die des Überflusses. Alles ist Überfluss: Überfluss der Lesungen, Überfluss der eucharistischen Hochgebete, Überfluss der Wahlmöglichkeiten für den Zelebranten […]. Die Pädagogik des alten Ritus ist das Gegenteil: eine Pädagogik der Regelmäßigkeit und der Wiederholung, eine Form, die sich Priestern und Gläubigen auferlegt und die dem Gottesdienst dient.”

Das ist präziser Befund, keine Polemik. Der Novus Ordo lebt von Optionen. Der überlieferte Ritus lebt davon, dass es keine Optionen gibt. Diese beiden Logiken in ein Buch zu pressen ist ein Kategorienfehler. Man fügt nicht Schweigen und Lärm zusammen und nennt das Harmonie. Auch die Indult-Gemeinschaft erkennt die große Problematik.

 

14.000 Pilger als Antwort

Während in vatikanischen Vorzimmern Kompromissformate für die alte Messe erdacht werden, hat das gläubige Volk auf den Pilgerstraßen nach Chartres eine andere Antwort gegeben: Für die diesjährige Wallfahrt liegen bereits 14.000 Anmeldungen vor. Die Organisatoren sprechen von einem Aufwärtstrend. Junge Franzosen pilgern zu Fuß drei Tage lang von Paris nach Chartres, beten die Laudes in der Frühe, singen gregorianischen Choral, beichten, empfangen die heilige Kommunion.

Wem dieses Phänomen in seiner Tiefe unverständlich bleibt, dem sei der Satz jenes anonymen Benediktiners empfohlen. Es geht um Pädagogik. Und wer glaubt, die Sehnsucht nach dem überlieferten Ritus durch seine administrative Eingliederung in den Novus Ordo stillen zu können, der hat nicht verstanden, was diese Sehnsucht ist.

Im Juni soll das Konsistorium der Kardinäle in Rom über die Liturgie beraten. Papst Leo XIV. hat die französische Bischofskonferenz bereits gebeten, Lösungsvorschläge zu unterbreiten, die es ermöglichen, die an den überlieferten Ritus gebundenen Gläubigen „großzügig einzubeziehen”. Kemlins Vorschlag war offensichtlich eine solche Antwort.

 

Quellen: CNA Deutsch  |  Die Tagespost

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