Martin Luther, das Blut der Bauern und der Hass auf das Bild

Die Bauern handelten. Sie nahmen Luther beim Wort.

Wer Mönche, Bischöfe und Papst im Rhein ersäufen will und vier Wochen später dieselben Bauern „wie tolle Hunde” niederschlagen lässt, hat einen Trümmerhaufen produziert, auf dem die Fürsten ihren Kirchenraub feierten. Finden wir den Geist des Bauernkrieges und der Bilderstürmer auch in unserer heutigen Zeit?

 

Ein Reformator predigt den Aufruhr

Wer die Reformation als geistliches Ereignis verkaufen will, muss das Jahr 1525 aus den Geschichtsbüchern streichen. Denn in diesem Jahr brannte es in den deutschen Landen. Das Feuer war von Wittenberg aus gelegt worden. Die Bauern, die sich erhoben, beriefen sich nicht zufällig auf den Augustinermönch. Sie hatten ihn gehört, sie hatten ihn gelesen, und sie hatten die Konsequenz gezogen, die in seinen Worten lag.

Luther selbst hatte vorher keine Mühe gescheut, das Pulver in die Tonnen zu schaufeln. Bevor man sich um die „Türkengefahr” kümmere, so seine Empfehlung, solle man lieber den Papst angreifen und Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte gemeinsam im Rhein ertränken. Die Klöster nannte er einen „Aufruhr gegen Christum”; sie müssten, so seine wortwörtliche Formulierung: „mit Feuer, Schwefel und Pech wie Sodom und Gomorrha” ausgerottet werden. Ein katholischer Priester, der die heilige Messe feierte, verdiente in Luthers Augen „leiblichen Tod und Strafe wie ein öffentlicher Schänder und Lästerer”.

Wer so spricht, hat den Mord schon mitgedacht.

 

Wenn die Saat aufgeht und der Sämann sich umdreht

Die Bauern handelten. Sie nahmen Luther beim Wort. Und Luther, der noch wenige Wochen zuvor in den kirchentreuen Fürstentümern ein „von Gott gegebenes Werkzeug zur Zerschlagung” gesehen hatte, wendete sich, sobald der Wind drehte. Im Mai 1525, als die militärische Niederlage der Aufständischen Realität wurde und das Schlachten in vollem Gange war, rief er die Fürsten ausdrücklich dazu auf, dieselben Bauern, die er zuvor angestachelt hatte, „zu erschlagen wie tolle Hunde”.

Über 120.000 Tote blieben auf den Feldern zurück. Das ist die Bilanz eines Verrats, der zugleich politische Berechnung und seelische Feigheit war.

Luther wurde in jenen Wochen mehr gehasst als je ein Papst oder Bischof vor ihm. Die Reformation war nun auch Staatsangelegenheit, ein Verteilungskampf um Vermögen und Macht. Wer von den Landesfürsten den fettesten Bissen aus dem Kirchenbesitz zugeschanzt bekam, wurde Träger der „Erneuerung”. So einfach ist die Rechnung. So banal.

 

Vom Klosterbrand zum Bildersturm

Was im Jahr 1525 auf den Feldern geschah, hatte schon drei Jahre zuvor im Inneren der Kirchen seinen Anfang genommen. Bereits im Frühjahr 1522 fielen in Wittenberg die ersten Bilder, Statuen und Altäre dem Hammer zum Opfer. Was in Sachsen begonnen hatte, setzte sich in Basel, in den Niederlanden und überall dort fort, wo die neue Lehre Wurzeln schlug: Marienstatuen wurden systematisch zerschlagen, Heiligenbilder zerhackt, unwiederbringliche christliche Kunst dem Feuer übergeben.

Die landläufige Erzählung lädt die Schuld auf Calvin und Zwingli ab. Luther selbst hat sich gegen die brutalsten Auswüchse verwahrt. Es ist auch das Mindeste, was man von einem Mann erwarten darf, der ansonsten zur Ertränkung von Bischöfen aufgerufen hat. Die entscheidende Wahrheit liegt tiefer: Die Mitstreiter Luthers, Karlstadt, der Augustinermönch Zwilling, wollten genau das, was sie taten. Die gesamte überkommene Kultur, die ganze bisherige Philosophie und Wissenschaft sollte niedergerissen und durch den neuen Glauben ersetzt werden. Der Bildersturm war das Programm der Reformation.

 

Eine Kette, die sich durch die Jahrhunderte zieht

Wer einmal verstanden hat, was im Bildersturm geschieht, erkennt ihn wieder. Die Jakobiner, die in der Französischen Revolution alles Heilige zerschlugen. Die Kommunisten, die nicht nur in Russland, sondern auch im spanischen Bürgerkrieg Kirchen in die Luft sprengten. Die randalierenden Maoisten, die zwischen 1966 und 1976 unter dem Etikett „Kulturrevolution” die religiösen und kulturellen Zeugnisse Chinas auslöschten. Die radikalen Islamisten, die seit Jahrhunderten — und bis in unsere Tage hinein — im Nahen Osten unwiederbringliche Schätze, sogar Teile dessen, was wir „Weltkulturerbe” nennen, in Schutt und Asche legen.

Sie alle reihen sich in eine Logik ein, die mit Wittenberg und Basel begann. Wer das Bild zerstört, hat sich von dem losgesagt, was das Bild darstellt — ob er es weiß oder nicht. Ein Bildersturm ist nie ein liturgischer Reinigungsakt. Er ist immer der sichtbare Ausdruck eines vorangegangenen Kulturbruchs.

Und auch der Westen unserer Tage hat seinen eigenen Bildersturm erlebt. Die „Kulturrevolutionäre” der 68er-Generation haben die ästhetische Ordnung des Abendlandes geschleift. Seitdem regiert auf den Bildern die Schamlosigkeit, nicht mehr das Schöne, das Wahre und das Gute. Wer dies nicht für einen Kulturbruch hält, der hat ihn entweder akzeptiert oder schlicht nicht bemerkt.

 

Der schmerzhafteste Bildersturm: der im eigenen Haus

Doch der bitterste Punkt liegt in unserem eigenen Haus, in unserer eigenen Lebenszeit. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil geschieht der Bildersturm durch progressive Theologen und atheistische Architekten. Derselbe Geist wirkt weiter, doch die eigentlichen Waffen liegen heute im aufgeklärten Denken und im Veröffentlichen all jenes Mülls, den man meint rechtfertigen zu können, nur weil man Theologe ist oder einen Doktortitel trägt.

Die brutalsten und grausamsten Charaktere der Geschichte hatten oft die höchste Bildung. Und nicht selten auch einen hohen Rang oder einen Ehrentitel.

So wie einst der Bildersturm geschah, geschieht er heute erneut. Man entreißt uns nicht nur die schönen Gemälde und Altäre aus den Kirchen. Nein, man versucht auch mit aller Gewalt, den schönen, edlen, wunderbaren und einzig wahren katholischen Glauben aus den Köpfen der Menschen zu schlagen.

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