Am 22. Juli 1559 schenkte Gott der Welt einen großen Helden des Glaubens: Giulio Cesare Rossi, Sohn wohlhabender Kaufleute aus Venedig, der später in der Kirche den ehrwürdigen Namen Laurentius von Brindisi empfing. Schon früh von himmlischem Eifer ergriffen, wurde er nach dem frühen Tod seiner Eltern im Jahre 1573 seinem Onkel in Venedig anvertraut. Dort trat er 1575 in den Kapuzinerorden in Verona ein und nahm den Ordensnamen Laurentius an.
Heilige Schrift auswendig
Sein Wissensdurst führte ihn nach Padua und Venedig, wo er Philosophie und Theologie studierte. Gott hatte ihn mit außerordentlichen Gaben ausgestattet: Er beherrschte das Griechische und Hebräische vollkommen, konnte die Heilige Schrift im Urtext auswendig, und er sprach fließend Deutsch, Französisch, Spanisch und Tschechisch. Er war ein tiefer Kenner der Väter der Kirche. Voller heiliger Begeisterung nannte er die Bibel seine „Braut“ und versicherte, er könne selbst, wenn alle Bibeln verbrannt würden, die Heilige Schrift aus seinem Gedächtnis in der Ursprache wiedergeben.
Schon 1581 war er Lektor in Venedig, 1583 empfing er die Priesterweihe. Seine Predigten wirkten machtvoll und entfachten Feuer des Glaubens in den Herzen der Gläubigen in Vicenza, Padua, Pavia und Venedig. Papst Clemens VIII. rief ihn, um im Ghetto von Rom unter den Juden zu predigen, gemäß der strengen Bulle Cum nimis absurdum.
Sein Weg im Orden führte ihn 1586 als Novizenmeister nach Bassano del Grappa, 1590 wurde er Provinzial der Toskana, 1593 Provinzial in Venedig, 1596 schließlich Generaldefinitor, enger Berater des Generaloberen. Mit glühender Marienverehrung predigte er die Heilsbedeutung der Gottesmutter. Sein asketisches Leben war von strengen Fasten geprägt; die Messe feierte er oft acht Stunden lang. Manch einer kritisierte seine Strenge, doch das Volk liebte und verehrte ihn.
1599 sandte Papst Clemens VIII. ihn in die Wirren der Reformation nach Deutschland. Hier, wo der Glaube bedroht war, setzte Laurentius sein Leben ein und verliebte sich – wie er sagte – in das Land, dem er von da an sein Herz schenkte. Er gründete zahlreiche Klöster: 1600 das erste Kapuzinerkloster in Wien (das spätere Mechitharistenkloster), dazu weitere in Prag, Graz und Bruck an der Mur.
1601 stand er als kaiserlicher Feldkaplan an der Seite der habsburgischen Truppen bei der Schlacht gegen die Türken vor Stuhlweißenburg (Székesfehérvár). Mit dem Kreuz in der Hand ermutigte er die Soldaten, die im Namen Christi den Halbmond besiegten. Überliefert ist, dass die Geschosse der Feinde von seinem Habit abprallten wie von einer eisernen Rüstung.
1602 wurde Laurentius Ordensgeneral der Kapuziner. Von Rom aus besuchte er zu Fuß die Klöster in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz. 1608 war er Gesandter am Hof von Madrid, wo er Spanien für die Unterstützung der katholischen Liga gewann. Zwischen 1609 und 1619 ließ er in Brindisi auf Familienbesitz eine Kirche für die Klarissen bauen, Santa Maria degli Angeli.
1611 predigte er mit großem Erfolg in Bayern, der Pfalz und in Sachsen – mitten im Herzland der Reformation. Er wurde zur „Seele der katholischen Liga“. Sein Wirken war so mächtig, dass er selbst in Streitfällen zwischen Fürsten vermittelte, etwa zwischen dem Erzbischof von Salzburg und Bayern – mit dem Ergebnis, dass der Salzburger Erzbischof lebenslang in Haft genommen wurde.
1613 wurde er Provinzial in Genua. 1616/17 vermittelte er dort Frieden zwischen Spanien und Savoyen. 1618, schon schwer von Gicht geplagt, reiste er dennoch nach Madrid, um gegen den tyrannischen Vizekönig von Neapel zu wirken, der das Volk mit harter Hand unterdrückte.
Sein schriftliches Erbe ist gewaltig: Predigten über Maria, eine große Auslegung zur Schöpfungsgeschichte (Explanatio in Genesim) und die scharfe Polemik Lutheranismi Hypotyposis, in der er mit dem Schwert der Heiligen Schrift die Irrtümer Luthers widerlegte. Mit Recht ehrte ihn die Kirche mit dem Titel Doctor apostolicus – Apostolischer Lehrer.
Am 22. Juli 1619, an seinem 60. Geburtstag, starb er in Lissabon während einer diplomatischen Mission am Hof König Philipp III. von Spanien. Seine Gebeine fanden ihre Ruhestätte im Kloster der Klarissen in Villafranca del Bierzo. Doch die Erben des Irrglaubens zerstörten in den napoleonischen Wirren 1808 sein Grab – eine Verwüstung, die nicht die Treue der Gläubigen mindern konnte.
Der Prozess seiner Heiligsprechung begann spät: 1783 sprach ihn Papst Pius VI. selig, 1881 folgte die Heiligsprechung durch Papst Leo XIII., und 1959 erhob ihn Papst Johannes XXIII. feierlich zum Kirchenlehrer. Bis heute ist er Patron seiner Heimatstadt Brindisi.
Seine Worte, erfüllt vom Geist der Wahrheit, klingen wie ein Vermächtnis an uns:
„Christus lässt die Kirche bekämpft, aber nicht erkämpft werden: Die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen (Matthäusevangelium 16, 18). In den größten Gefahren, wo die Lage menschlich gesehen verzweifelt ist, ist von Gott aus gesehen Christus in seiner Kirche anwesend.“
Laurentius von Brindisi – Streiter für Christus, Fackel der Gegenreformation, Apostolischer Lehrer.
Möge sein Beispiel uns ermahnen, unerschütterlich im Glauben zu bleiben und mit brennendem Herzen die Wahrheit der Kirche zu verteidigen.
Quellen:
Peter Becker (Hrsg.): Laurentius von Brindisi (1559–1619): Kapuziner und Kirchenlehrer. EOS-Verlag, Sankt Ottilien 2020.
Niklaus Kuster: Laurentius von Brindisi. Apostel auf den Straßen Europas. Butzon & Bercker, Kevelaer 2010.
Pater Hermann von der Schulenburg:
Das Leben des seligen Laurentius von Brundusium, Generals des Kapuziner-Ordens. Kirchheim, Mainz 1863.






