Bei der Heiligen Messe im westkamerunischen Bamenda mahnte Papst Leo XIV. die Katholiken, den Glauben nicht mit esoterischen oder gnostischen Überzeugungen zu vermischen. Die Mahnung ist richtig. Ihr Kontext macht sie schwieriger. Am 16. April 2026 feierte Papst Leo XIV. eine Heilige Messe im westkamerunischen Bamenda vor rund 20.000 Gläubigen. In der Schlusspassage seiner Predigt warnte er die Anwesenden davor, den Glauben mit „Überzeugungen esoterischer oder gnostischer Art“ zu vermischen, die oft politischen oder wirtschaftlichen Zwecken dienten. Den Gläubigen rief er zu: „Nur Gott macht uns frei. Nur sein Wort öffnet Wege zur Freiheit. Nur sein Geist macht uns zu neuen Menschen.“
Bamenda als Brennpunkt
Die Region um Bamenda im englischsprachigen Nordwesten Kameruns leidet seit Jahren unter dem sogenannten „anglophonen Konflikt“, einem gewaltsamen Separatismus, der Tausende zur Flucht zwang und die humanitäre Lage verschärfte.
Auf den Apostel Petrus anspielend, mahnte Leo XIV.: „Wir müssen Gott mehr gehorchen als einer menschlichen Autorität.“ Der Verweis auf Apostelgeschichte 5,29 trägt theologisch Gewicht.
In weiten Teilen Afrikas sind Glaubensvermischungen mit einheimischen religiösen Überzeugungen tägliche seelsorgerliche Realität. Esoterik und Gnosis sind konkrete Bedrohungen für das überlieferte Bekenntnis der Gläubigen. Dass ein Papst dies beim Namen nennt, ist bemerkenswert.
Eine Frage des Zusammenhangs
Wenige Tage zuvor hatte Papst Leo XIV. in Algier die dortige Großmoschee als „göttlichen, heiligen Raum“ bezeichnet und in schweigender Gebetsgemeinschaft mit dem dortigen Imam verweilt.
Wer die Warnung vor esoterischer Glaubensvermischung ernst nimmt, darf diesen Zusammenhang beim Urteilen nicht übergehen. Lex orandi, lex credendi: Wer im Tempel des falschen Gottes betet, prägt das Bekenntnis des Volkes, ob er es will oder nicht.
Was Leo XIV. in Kamerun sagte, ist theologisch richtig und seelsorgerlich notwendig. Gleichwohl gewinnt und verliert die Mahnung durch den Widerspruch, den der Besuch in Algier ihr aufzwingt.
Quellen: Vatican News, The Catholic Herald, kath.net, CNA Deutsch





