Wenn das “Christentum” plötzlich ganz anders klingt
Wenn Sie in der Fußgängerzone von einer Gruppe „bibeltreuer“ Christen angesprochen werden, Ihnen ein Neues Testament in die Hand gedrückt wird und man beginnt, Ihnen die „christliche Lehre“ zu erklären, hören Sie oft Dinge, die Ihnen so bislang unbekannt waren. Vieles klingt zunächst fromm, bibelnah, ja sogar überzeugend – und doch ist es in entscheidenden Punkten radikal anders als das, was die katholische Kirche seit den Aposteln geglaubt, gelehrt und bewahrt hat.
Heute sprechen wir über die Taufe.
Wahrheit contra evangelikale Häresie
Was die Kirche als Sakrament der Wiedergeburt, als göttliches Heilswerk versteht, wird bei Protestanten auf ein bloßes äußeres Zeichen reduziert – ein Symbol, ein öffentliches Glaubensbekenntnis, ein menschlicher Akt ohne objektive Gnadenwirkung. Deswegen kann die Taufe laut Luther auch nicht heilsentscheidend sein, auch wenn es in seinen Schriften nicht immer direkt klar kommuniziert wird. Simul iustus et peccator,
zugleich gerecht und Sünder, das ist Luthers Erbe, heute als Banner weitergetragen von den freikirchlichen Soldaten in aller Öffentlichkeit. Wenn es keine Erbsünde gibt, gibt es auch keine notwendige Taufe. Das was Luther zumindest noch katastrophal und falsch zu definieren suchte, lehnt man heute bei den Evangelikalen vollständig ab.
Vergessen wir nicht, wie schwerwiegend eine solche Verschiebung ist. Wird die Taufe entleert, fällt nicht nur ein Sakrament – es fällt die Lehre von der Erbsünde, von der objektiven Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, von der Notwendigkeit der Kirche und der von Christus eingesetzten Heilsordnung. Was bleibt, ist ein individualistisches “Christentum”, das sich selbst tauft, selbst rettet und selbst definiert.
Schauen wir uns daher nüchtern, aber klar an, was die Lehre der Kirche wirklich über die Taufe sagt – und warum die protestantische Reduktion auf ein bloßes Symbol nicht nur eine Häresie, sondern ein Angriff auf das Herz des Evangeliums ist.
1. Was die Kirche immer gelehrt hat: Wesen und Würde der Taufe
1.1 Die Taufe ist ein Sakrament
Die katholische Kirche hat die Taufe niemals als bloße Illustration eines inneren Glaubens verstanden. Sie bekennt sie als Sakrament, das heißt als eine wirksame Handlung, das bewirkt, was es bezeichnet.
Der maßgebliche Pfarrkatechismus nach dem Konzil von Trient, der Catechismus Romanus, definiert unmissverständlich:
„Die Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt durch Wasser im Wort.“
Nach klassischer Theologie und kirchlicher Lehre besteht dieses Sakrament aus:
Materie: natürliches Wasser
Form: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“
Intention: der Wille, zu tun, was die Kirche tut
Gerade diese Objektivität ist entscheidend: Die Wirksamkeit der Taufe hängt nicht von der inneren Befindlichkeit des Täuflings ab, sondern von Gottes Verheißung.
1.2 Von Christus selbst eingesetzt
Die Kirche beruft sich hier nicht auf spätere Entwicklungen, sondern auf Christus selbst:
„Tauft alle Völker …“ (Mt 28,19)
„wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geiste, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen!“ (Joh 3,5)
Die Tradition – von den Aposteln über die ökumenischen Konzilien bis zum Konzil von Trient – hat diese Worte durchgängig sakramental verstanden. Johannes 3,5 war niemals eine bloße Metapher, sondern ein Heilswort mit realem Anspruch.
2. Was die Taufe tatsächlich bewirkt
2.1 Tilgung aller Sünden
Die Taufe tilgt:
die Erbsünde
alle persönlichen Sünden
jede ewige Sündenstrafe
Der Mensch kommt nicht „symbolisch rein“, sondern wird wirklich neu gemacht. Die Kirche spricht hier bewusst von Rechtfertigung und neuer Schöpfung.
2.2 Wiedergeburt und Gotteskindschaft
Durch die Taufe wird der Mensch in Christus und Kirche eingepflanzt
Kind Gottes
Erbe des Himmels
Glied am Leib Christi, der Kirche
Diese Wirklichkeit ist ontologisch, nicht psychologisch. Sie geschieht auch dort, wo kein reflektierter Akt möglich ist – etwa bei Kindern.
2.3 Das unauslöschliche Siegel
Die Taufe prägt der Seele einen unauslöschlichen Charakter ein. Deshalb gilt seit jeher:
Es gibt nur eine Taufe.
Jede sogenannte „Wiedertaufe“ ist ein Angriff auf dieses göttliche Siegel.
3. Die Taufe ist zum Heil notwendig
Das Konzil von Trient formuliert unmissverständlich:
Seit der Verkündigung des Evangeliums kann die Rechtfertigung nicht ohne das Bad der Wiedergeburt oder das Verlangen danach geschehen.
Wer behauptet, die Taufe sei „frei“, also nicht notwendig zum Heil, widerspricht ausdrücklich der dogmatischen Lehre der Kirche.
4. Die Kindertaufe – Prüfstein der Wahrheit
4.1 Warum Kinder getauft werden müssen
Die Kindertaufe ist eine logische Konsequenz der Lehre von der Erbsünde. Wenn Kinder nicht sündlos geboren werden, dann brauchen sie auch die Gnade der Wiedergeburt.
Das Konzil von Florenz erklärt klar:
Kinder werden durch die Taufe der Herrschaft des Teufels entrissen und zu Kindern Gottes adoptiert.
Gerade weil Kinder nichts leisten können, zeigt sich hier das Wesen der Gnade als reines Geschenk.
4.2 Die protestantische Ablehnung und ihre Konsequenzen
Täuferische und evangelikale Gruppen lehnen die Kindertaufe ab, weil:
Kinder nicht bewusst glauben können
Taufe als Bekenntnis verstanden wird
Doch genau hier zeigt sich der Denkfehler:
Die Taufe ist nicht zuerst unser Bekenntnis, sondern Gottes Handeln.
Das Konzil von Trient verurteilt ausdrücklich die Behauptung, Kinder seien nicht unter die Gläubigen zu zählen oder müssten später erneut getauft werden.
5. „Nur ein Symbol?“ – Die entscheidende Täuschung
Die Behauptung, die Taufe sei lediglich ein Bekenntnissymbol oder äußeres Zeichen, wird von der Kirche eindeutig zurückgewiesen:
Die Sakramente bewirken Gnade
Sie wirken ex opere operato
Die Heilige Schrift selbst spricht Klartext:
„Lasst euch taufen zur Vergebung eurer Sünden“ (Apg 2,38)
„Wasche deine Sünden ab“ (Apg 22,16)
„Die Taufe rettet jetzt auch euch“ (1 Petr 3,21)
Ein Symbol rettet nicht. Ein Sakrament schon.
6. Warum diese Frage alles entscheidet
Die Lehre von der Taufe ist kein Randthema. An ihr entscheidet sich:
ob Erlösung objektiv oder subjektiv ist
ob die Kirche notwendig oder optional ist
ob Gnade Geschenk oder Gefühl ist
Die katholische Lehre bietet hier ein geschlossenes, widerspruchsfreies System aus Schrift, Tradition und Lehramt. Sie schützt das Evangelium vor seiner Verflachung und bewahrt den Menschen vor der Illusion, sich selbst retten zu können.
Taufe oder Selbsttaufe?
Die evangelikale Szene begnügt sich folgerichtig mit diesem bloßen Symbolzustand der Taufe. Sie reduziert das von Christus eingesetzte Sakrament auf ein öffentliches Bekenntnis ohne objektive Gnadenwirkung. Hinzu kommt, dass viele dieser sogenannten „Taufen“ nicht einmal gültig sind, da an die Stelle der von Christus gebotenen Taufformel eigenmächtige Worte, persönliche Bekenntnisse oder frei erfundene Zusätze treten.






