Der H.H.P. Winfried Schneiderhahn OSB berichtet von einer erstaunlichen Bekehrung eines muslimischen Mädchens, während seiner Missionsreise in Ndanda, in Ostafrika. Fatuma war ein kleines Mädchen. Wie ihre Eltern und die meisten Bewohner ihres Dorfes war sie islamischen Glaubens. Dennoch besuchte sie – gemeinsam mit einigen anderen Kindern – die Schule der Missionsstation Luagala. Fatuma, auch Fatima, ist ein bei Muslimen beliebter Mädchenname, denn so hieß die Tochter Mohammeds. Obwohl Fatuma erst fünf Jahre alt war, lauschte sie im Religionsunterricht aufmerksam den Erzählungen des Missionars. So lernte sie den katholischen Glauben kennen. Es wartete auf sie eine Begegnung, die ihr Leben verändern sollte.
Das Mädchen möchte gerne die Muttergottes sehen
Eines Tages traf ich das Kind vor dem kleinen Missionskirchlein, berichtet P. Schneiderhahn.
„Was willst du hier, Fatuma?“, fragte ich sie.
„Baba, ich möchte so gerne die Mama wa Mungo, die Mutter Gottes sehen“, gab sie zur Antwort.
„Ja, geh nur hinein in die Kirche!“
Doch Fatuma schüttelte den Kopf: „Ich darf nicht hineingehen, Baba, meine Eltern haben es mir streng verboten. Aber ich möchte doch so gerne die große Mama sehen!“
Die Statue auf dem Altar war eine Nachahmung des schwarzen Gnadenbildes von Altötting. Altötting ist einer bekanntesten Wallfahrts- und Gnadenorte Deutschlands. Während Fatuma mit großen Augen das Gnadenbild der Himmelsmutter betrachtete, erzählte ich ihr, wie die „Mama wa Mungo“ alle Menschen sehr gern hat und sie in den Himmel führen will.
„Auch dich Fatuma“, so schloss ich, „du sollst sie immer recht lieb haben.“
Fatuma wurde schwer krank
Einige Tage später erfuhr ich, dass Fatuma schwer krank sei. Ich suchte sie in der ärmlichen Lehmhütte ihrer Familie auf. Ihr Zustand war sehr bedenklich: Sie litt an einer gefährlichen Tropenkrankheit, die rasch Herz und Nieren zerstört. Ich riet den Eltern dringend, das Kind in das große Missionshospital nach Ndanda zu bringen.
Dort nahm sich Schwester Thekla, die bewährte Missionsärztin, Fatumas mit großer Sorgfalt an und gewann sie bald lieb. Das Mädchen bat sie, ihr von der „Mama wa Mungo“ zu erzählen. Schwester Thekla tat es und unterrichtete sie auch in den Hauptwahrheiten des katholischen Glaubens. Die aufmerksame Hörerin bat schließlich um die Taufe. Da ihre Krankheit als unheilbar erkannt wurde, wurde ihr dieses Sakrament gespendet.
Die islamischen Eltern, die von der Taufe nichts wissen durften, nahmen das todkranke Kind wieder mit nach Hause. Als ich davon hörte, besuchte ich Fatuma erneut. Sie zeigte große Freude. Unter dem Vorwand, Trinkwasser zu holen, schickte sie ihre Mutter für einen Augenblick aus der Hütte und erzählte mir dann mit strahlenden Augen:
„Baba, ich bin getauft; ich heiße Maria, wie die Mutter Gottes. Ich freue mich, bald zu ihr in den Himmel zu kommen!“
An Maria Himmelfahrt ging auch Fatuma in den Himmel
Am nächsten Tag, es war der 15. August – das Hochfest Mariä Himmelfahrt –, erklang gegen 15 Uhr die Totentrommel. „Die kleine Fatuma ist gestorben“, hieß es.
Ich ging zur trauernden Mutter, um ihr mein Beileid auszusprechen. Da sagte sie zu mir:
„Baba, das Sterben meiner Fatuma war so sonderbar. Ich hatte sie auf meinem Schoß liegen, da schaute sie in eine Ecke des Daches und sagte: ‚Mutter, schau, was ist das für ein heller Stern?‘ – ‚Das ist doch kein Stern, es ist ja heller Tag; du siehst nur eine Lücke im Strohdach.‘ – ‚Doch Mama, es ist ein Stern! Und er wird immer größer und heller! Das ist ja Mama Thekla! O nein, das ist ja die …‘ Dabei wurde ihr Antlitz ganz froh und leuchtend. Dann rief sie noch: ‚Mama, ich komme‘, ließ den Kopf sinken und war tot. Baba, ich kann mir das alles nicht erklären.“
Ich selbst bin überzeugt, dass die Mutter Gottes ihren kleinen Liebling, der vor der Taufe den Namen ihres größten Wallfahrtsortes Fatima in Portugal, und nach der Taufe ihren eigenen Namen trug, in das himmlische Paradies heimgeholt hat. So bleibt die Geschichte der kleinen Fatuma – Maria – ein stilles, aber kraftvolles Zeugnis dafür, dass die Mutter Gottes auch dort wirkt, wo menschliche Grenzen unüberwindbar scheinen.







Eine Antwort
Eine wunderbare Geschichte – Maria wirkt