Aneinander hingegeben

O Herr, ich ganz für dich und du ganz für mich!

Schon lange leuchtet der Herr, die göttliche Sonne, auf deine Seele hernieder mit den Lichtstrahlen seiner Gnade. Seit langem pocht er an deine Türe: “Sieh, ich stehe draußen und klopfe an” (Geh. Offb. 3, 20).
Jede Beichte, jede Kommunion, jede heilige Messe, jede Einsprechung, jeder Befehl oder Ruf des Gehorsams, ist all dies vielleicht nicht ein Pochen Gottes an der Türe deines Herzens? Und was tust du? Warum lässt du ihn noch warten? Auf also! Erwache aus der Dumpfheit und tu deine Seele weit auf! “Erhebt euch, ihr Tore, und werdet weit… denn einziehen will der König der Herrlichkeit” (Ps. 23, 7). Gib dich nicht damit zufrieden, die Türe halb geöffnet zu haben, auch dreiviertel genügt nicht; tu sie in aller Weite vollständig auf! Jedes Hindernis muss beseitigt werden: es soll ja dein Gott einziehen.

Wenn es dich etwas kostet, deinen Willen zu verleugnen, so denke, wie schön und groß es ist, sich in allem durch Gottes Willen leiten zu lassen. Wenn es dir schwer ist, auf die Eigenliebe und die irdischen Zuneigungen zu verzichten, denke, wie fröhlich es ist, die Liebe Gottes zu besitzen. Wenn es dir widerstrebt, dir selbst abzusterben, denk, wie herrlich es ist, für Gott zu leben. Begeistert ruft die hl. Theresa von Avila aus: “Nein, was wir gelassen haben, ist nichts! Nichts ist es, was wir tun oder tun können für einen Gott, der sich uns Elenden also mitteilt! Und dürfen wir schon in diesem Leben so großes Gut erhoffen, was sollen wir tun, wobei uns aufhalten? Was könnte uns ablenken von der Suche nach diesem Herrn, gleich der Braut, auf den Straßen und Plätzen?”
Der Herr will sich deiner Seele mitteilen, will sich dir ganz geben, will kommen, um mit dir zu leben:”Wenn einer meine Stimme hört und die Türe öffnet, trete ich ein und halte Mahl mit ihm und er mit mir” (Geh. Offb. 3, 20).
O mögest du diese unermessliche Gabe nicht durch deine Schuld, deine Nachlässigkeit verlieren!

“Um der Liebe Gottes willen, meine Seele, wach auf vom Schlaf und denke, dass Gott nicht immer das andere Leben abwartet, um deine Liebe zu belohnen. Die Vergeltung beginnt schon hienieden …
Mein Herr, meine Barmherzigkeit und mein Schatz, welches andere Gut könnte man hienieden je ersehnen, außer dir so nahe zu sein, dass eine Trennung nicht mehr möglich ist? Damit die Liebe mir dies gewähre, will ich ohne zu ermüden wiederholen: ‘Mein Geliebter ist mein und ich bin sein.’ ” (hl. Theresa von Avila)

Quelle: Geheimnis der Gottesfreundschaft

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