„Dein Sehnen sei es, Gott zu schauen; deine Furcht ihn zu verlieren; dein Schmerz, ihn nicht zu besitzen; deine Freude das, was dich ihm zuführen kann“ (hl. Theresa von Avila).
Dies ist das Kennzeichen der wahren Liebe: sie schafft in der Seele eine einzige Sorge, eine einzige Furcht, ein einziges Sehnen, eine einzige Freude, und der Mittelpunkt alles dessen ist Gott allein.
Mit dem Fortschritt im geistlichen Leben vermindert sich die anfänglich empfundene Mühe, möge uns dieser Gedanke motivieren und beflügeln, fortschreiten zu wollen: Durch die Übung in der Tugend werden die sinnlichen Triebe, durch deren Widerstreit der Pfad so rauh und mühsam war, beständig schwächer; der Geist, in welchem die Tugend ihren Sitz hat, wird hingegen immer gefestigter und stärker. Mit dem Fortschritt vermindert sich die zu Anfang empfundene Mühe, während ein gewisses stilles Glücksgefühl, das unter göttlichem Einfluss die Mühsal verwandelt, in demselben Maße wächst. Und so schreitet man müheloser und freudiger immer weiter voran von Tugend zu Tugend und gelangt endlich auf dem Gipfel des Berges an, wo die vollendete Seele nicht mehr widerwillig, sondern mit Wonne und Jubel dient. Die ungeordneten Leidenschaften sind besiegt und gebändigt. Über alle Kreatur und sich selbst erhoben, weilt sie am Herzen des Allerhöchsten und genießt trotz aller Mühe eine sanfte Ruhe.
Willst du sehen, wie weit deine wertschätzende Liebe Gottes reicht, so prüfe dein Verhalten und suche den letzten Beweggrund deiner Sorgen, deiner Ängste, deiner Wünsche, deiner Freuden zu entdecken. Liegen diese Beweggründe nicht in Gott, sondern in den Geschöpfen, in deinen Interessen und in deinen Vergnügungen, so musst du demütig zugeben, dass du noch nicht dahin gekommen bist, Gott über alles zu schätzen; denn du legst „Gott und das, was unendlich von ihm entfernt ist, auf die gleiche Waage“ (hl. Joh. v. Kr). Erforschest du gründlich dein Herz, so wirst du sehen, dass du nicht selten deinen Willen und den Willen Gottes, deinen Geschmack und sein Wohlgefallen, deine Interessen und seine Ehre, deine Bequemlichkeit und seinen Dienst auf gleiche Ebene stellst; und nicht nur dies: oftmals nämlich gibst du in der Praxis nicht seinem Willen, seinem Wohlgefallen, seinen Interessen den Vorzug, sondern den deinen, auch wenn du theoretisch beteuerst, Gott über alles zu schätzen; und eben dadurch fällst du in viele Unvollkommenheiten. Sei überzeugt: „Wo wahre Liebe zu Gott ist, findet sich keine Liebe zu sich selbst und zu den eigenen Dingen“ (hl. Joh. v. Kr). „Ich bekenne dir, liebenswürdigster Sohn Gottes, meine Schuld; ich weiß nicht, aus welchem Grund ich mein von dir geschaffenes Herz von den Neigungen der Geschöpfe anziehen ließ und es mit unheilig-irdischem Umgang besudelte. Nicht die Wirklichkeit, sondern der Schein künstlich vorgetäuschter Liebe hat mich betrogen und mich von dir und von dem mildesten Gesetz deiner wahren und einzigen Liebe entfernt. Nun aber, da du mit deinem Lichte meine Finsternis verscheucht hast, weise ich alle weltliche Schönheit zurück und erwähle dich, du Sohn Gottes und Sohn der seligsten Jungfrau, um dich zu lieben in einem Bunde ewiger Liebe“ (ehrw. Johannes a Jesu Maria O. C. D.)
Quellen: “Geheimnis der Gottesfreundfreundschaft” und “Der geistliche Kampf”






