Gregor der Große, einer der bedeutendsten Päpste der Kirchengeschichte, wurde um das Jahr 540 in Rom geboren. Als Spross einer vornehmen römischen Familie erhielt er eine ausgezeichnete Ausbildung und trat früh in den Staatsdienst ein. Bereits mit 30 Jahren wurde er Prätor von Rom, also oberster Verwaltungsbeamter der Stadt. Doch weltlicher Ruhm erfüllte ihn nicht: Gregor legte sein Amt nieder, wandelte seinen Palast auf dem Caelius-Hügel in ein Benediktinerkloster um und verteilte einen Großteil seines Besitzes für Klostergründungen und Armenfürsorge.
Kirchenmann und Diplomat
Papst Benedikt I. betraute ihn mit seelsorglichen Aufgaben, und Pelagius II. sandte ihn 579 als Apokrisiar (Nuntius) an den byzantinischen Kaiserhof in Konstantinopel. Dort zeigte Gregor diplomatisches Geschick, blieb aber zugleich Mönch im Herzen. Nach seiner Rückkehr nach Rom um 585 wurde er Abt seines Klosters.
Als Papst Pelagius II. 590 der Pest zum Opfer fiel, wurde Gregor – trotz eigener Abneigung – zum Papst gewählt. Im Jahr 590 begann sein Pontifikat, das eine neue Ära der Kirche einleitete. Gregor verstand das Papstamt vor allem als Dienst der Nächstenliebe. Er ordnete die Verwaltung des kirchlichen Grundbesitzes, des sogenannten Patrimonium Petri, und schuf damit eine gerechte, christlich geprägte Sozialordnung – oft als der erste Sozialstaat Europas bezeichnet. Sogar Sklaven erfuhren unter seiner Leitung menschliche Behandlung und Schutz.
Papst Gregor der Friedensstifter und Missionar
Trotz politischer Intrigen gelang es Gregor 593, mit den Langobarden Frieden zu schließen – gegen den Willen des byzantinischen Exarchen von Ravenna und des Kaisers Mauritius, den er später in einem Brief scharf kritisierte. Der Mord an Mauritius durch Phokas (602) brachte Gregor in eine schwierige Lage: sein offizielles Schreiben an den neuen Herrscher bleibt bis heute umstritten.
In seelsorglicher Hinsicht wirkte Gregor als Reformer und Lehrer. Er förderte die Christianisierung der Angelsachsen durch die Mission des hl. Augustinus von Canterbury (ab 597) und trug zur Bekehrung der Langobarden bei. Seine berühmte Pastoralregel wurde zum Leitfaden für den Weltklerus, so wie die Regel des hl. Benedikt das Mönchsleben prägte.
Sein Erbe und der Choral der Liturgie
Auch der kirchlichen Liturgie widmete er sich. Die römische Schola cantorum erhielt unter ihm neue Bedeutung, und der nach ihm benannte Gregorianische Choral verdankt ihm zwar nicht seine Melodien, wohl aber seinen Geist – die tiefe Verbindung von Gebet, Wort und Musik.
Gregor starb am 12. März 604. Er hinterließ eine Fülle geistlicher Schriften und wurde zum vierten großen Kirchenlehrer des Abendlandes erhoben – neben Ambrosius, Augustinus und Hieronymus. Die Nachwelt nannte ihn ehrfurchtsvoll den „letzten Römer“ und „Konsul Gottes“, denn er verband das Erbe der Antike mit dem Glauben des Mittelalters.
Quelle: Lexikon der Päpste, S. 38-39






