„Ich bin die Mutter der schönen Liebe und der Furcht und der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung.“ (Sir 24,24) In den poetischen Worten des Buches Jesus Sirach erhebt sich die Stimme der personifizierten Weisheit. Sie spricht als Mutter der göttlichen Tugenden – als Ursprung der Liebe, der Ehrfurcht, der Erkenntnis und der Hoffnung. Ursprünglich ist dies das Wort der göttlichen Sapientia, der Weisheit, die von Anfang an bei Gott war (vgl. Spr 8,22ff). Doch in der christlichen Überlieferung hat dieser Vers eine tiefere Erfüllung gefunden: in der seligen Jungfrau Maria, der Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes.
Maria – Sitz der Weisheit
Das Buch Jesus Sirach gehört zu den deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments. In Kapitel 24 preist die Weisheit ihre Herrlichkeit und ihr Wirken unter den Menschen. Sie wird als himmlische Gestalt beschrieben, die „aus dem Mund des Höchsten hervorgegangen“ ist und in Israel Wohnung genommen hat. Diese poetische Rede war für die jüdische und später für die christliche Tradition ein Tor zur Betrachtung des göttlichen Wirkens in der Schöpfung und Heilsgeschichte.
Die Kirche erkannte bald in dieser personifizierten Weisheit ein Vorausbild Christi, „der uns zur Weisheit gemacht ist“ (1 Kor 1,30), und zugleich in der Frau, die diese Weisheit gebar, ihre irdische Verkörperung: Maria, die Mutter Jesu.
Darum nennt die Kirche Maria mit inniger Zuneigung „Sedes Sapientiae“ – den Sitz der Weisheit. In ihrem Schoß hat die ewige Weisheit, das Wort Gottes, Wohnung genommen. So erfüllt sich in ihr, was Sirach prophetisch besingt: Sie ist wahrhaft die Mutter der göttlichen Liebe, die das Licht der Welt geboren hat.
Maria – Mutter der schönen Liebe
Die lateinische Vulgata übersetzt Sir 24,24 mit den Worten: „Ego mater pulchrae dilectionis…“ – „Ich bin die Mutter der schönen Liebe“. Diese „schöne Liebe“ ist keine vergängliche, menschlich-sinnliche Liebe, sondern die strahlende, lautere Liebe, die ihren Ursprung in Gott hat – jene Liebe, die „ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“ (Röm 5,5).
Maria ist die Mutter dieser Liebe, weil sie die Mutter dessen ist, der die Liebe selbst ist: Jesus Christus. Sie ist die Mutter der Liebe, die reinigt, heilt und vergöttlicht. Darum betet die Kirche zu ihr unter diesem ehrwürdigen Titel:
Sancta Maria, Mater pulchrae dilectionis, ora pro nobis!
Heilige Maria, Mutter der schönen Liebe, bitte für uns!
Maria führt uns zu Ihrem Sohn Jesus Christus
Wenn wir Maria als „Mutter der schönen Liebe“ anrufen, erkennen wir in ihr das vollkommenste Geschöpf Gottes, das in reiner Liebe zu Gott und den Menschen lebt. Ihre Liebe ist schön, weil sie ganz von der göttlichen Liebe durchstrahlt ist. Wer sich ihr anvertraut, lässt sich von ihr zur Quelle der Liebe führen – zu Christus, ihrem Sohn.
So erfüllt sich das alte Wort der Schrift in jedem gläubigen Herzen neu: „Wer mich liebt, der liebt das Leben, und wer mich sucht, findet Gnade beim Herrn“ (Sir 4,12).







Eine Antwort
Danke Herr Gordon Haupt
Ich bin 53 Jahre alt. In der fünften Klasse (1983) warnte uns unsere Religionslehrerin (ein Mitglied der Fokolarbewegung)vor traditioneller Marienverehrung, da es angeblich zur Anbetung Mariens führen könnte.
Dieser giftige Pfeil ins Herz hinderte mich Jahrzehnte lang, Maria so zu verehren wie es Ihr zusteht. Ich möchte nicht wissen, was dieses neue Lehrschreiben in der Welt anrichtet. Danke für ihren Einsatz.
Liebe Grüße Manfred