Das Smartphone ist ständiger Begleiter, das Internet jederzeit verfügbar. Was für viele Menschen Alltag und Komfort bedeutet, kann jedoch ernsthafte gesundheitliche Risiken bergen. Immer mehr wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass eine intensive und unkontrollierte Nutzung digitaler Medien nicht nur das Verhalten, sondern auch die psychische Gesundheit und sogar die Struktur des Gehirns beeinflussen kann.
Internetsucht und Depression: Ein gefährlicher Zusammenhang
Besonders alarmierend sind Ergebnisse einer chinesischen Langzeitstudie der Universität Guangzhou. Mehr als 1.000 Jugendliche wurden zunächst gebeten, ihre Internetnutzung mithilfe des sogenannten Internet Addiction Tests einzuschätzen. Dabei ging es nicht primär um die tägliche Online-Zeit, sondern um die negativen Auswirkungen auf Schule, Familienleben, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten – also typische Warnzeichen einer Abhängigkeit.
Da nur wenige Teilnehmer die höchste Kategorie der Abhängigkeit erreichten, verglichen die Forscher Jugendliche mit mäßiger bis schwerer Internetabhängigkeit mit unauffälligen Nutzern. Neun Monate später wurden die Jugendlichen erneut untersucht, diesmal im Hinblick auf Angststörungen und depressive Symptome.
Das Ergebnis ist besorgniserregend: Während Angststörungen kaum zunahmen, entwickelten über 80 der Studienteilnehmer depressive Symptome. Besonders auffällig war, dass die Depressionen überwiegend bei jenen Jugendlichen auftraten, die bereits in der Ausgangsuntersuchung eine mäßige bis schwere Internetabhängigkeit gezeigt hatten. Statistisch ergab sich ein etwa fünffach erhöhtes Depressionsrisiko. Selbst nachdem Faktoren wie Alter, Geschlecht, Stadt- oder Landwohnsitz, schwere körperliche Erkrankungen sowie familiäre und schulische Probleme berücksichtigt wurden, blieb der Zusammenhang bestehen.
Allerdings weist die Studie auch methodische Schwächen auf: Sowohl die Einschätzung der Internetabhängigkeit als auch die Diagnose der Depression basierten auf Fragebögen und nicht auf klinischen Interviews durch Fachärzte. Dennoch liefern die Ergebnisse deutliche Hinweise auf einen potenziell gefährlichen Zusammenhang.
Veränderungen im Gehirn: Digitale Abhängigkeit hinterlässt Spuren
Noch beunruhigender sind neurobiologische Befunde zur Internetsucht. Chinesische Forscher konnten mithilfe bildgebender Verfahren zeigen, dass exzessives Surfen und Computerspielen mit messbaren Veränderungen im Gehirn einhergehen.
Bereits frühere Untersuchungen hatten Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz nachgewiesen, die als Ausdruck einer Abhängigkeit interpretiert wurden. In neueren Studien wurden diese Ergebnisse auf die weiße Hirnsubstanz ausgeweitet – jene Nervenfasern, die für die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen verantwortlich sind.
Die Forscher fanden bei internetabhängigen Personen deutliche Abweichungen in der Integrität dieser Nervenverbindungen im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe. Solche Veränderungen ähneln auffallend jenen, die auch bei anerkannten Substanzabhängigkeiten wie Kokain-, Marihuana-, Methamphetamin- oder Ketaminmissbrauch beobachtet werden. Dies deutet darauf hin, dass Internetsucht nicht nur ein psychologisches, sondern auch ein neurobiologisches Phänomen sein könnte.
Ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem
Auch wenn weitere Forschung notwendig ist, um Ursache und Wirkung eindeutig zu klären, zeichnen die bisherigen Ergebnisse ein klares Bild: Exzessive Internet- und Handynutzung ist kein harmloses Freizeitverhalten. Sie kann mit Depressionen einhergehen und offenbar sogar strukturelle Veränderungen im Gehirn verursachen.
Besonders gefährdet sind Jugendliche, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet. Umso wichtiger sind Prävention, Medienkompetenz und ein bewusster Umgang mit digitalen Technologien – sowohl im familiären Umfeld als auch in Schule und Gesellschaft.
Das Internet ist ein mächtiges Werkzeug. Doch wie bei jeder mächtigen Technologie gilt: Wer die Kontrolle verliert, zahlt möglicherweise einen hohen Preis – mit seiner psychischen Gesundheit.






