Es ist eine alte Versuchung: Wenn die Welt tobt und der Druck steigt, schweigt die Kirche – oder schlimmer noch, sie spricht nicht gegen die Feinde des Glaubens, sondern gegen jene, die ihn noch verteidigen. Der Skandal um die Nominierung von Frau Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, die das Lebensrecht des ungeborenen Kindes leugnet, hätte ein Weckruf für unsere Bischöfe sein müssen. Stattdessen erleben wir, wie sie sich von den lautesten Kritikern des Mordes im Mutterleib distanzieren – nicht von dessen Verteidigern.
Bistum Paderborn und Erzbischof Bentz
Das Erzbistum Paderborn und Erzbischof Udo Bentz äußerten sich zur aktuellen “Debatte” um Brosius Gersdorf:
„Beobachtungen unabhängiger Quellen legen nahe, dass rechtspopulistische und demokratiekritische Kräfte die öffentliche Auseinandersetzung zuspitzten und zur Förderung eigener Narrative nutzten.“
– Bistum Paderborn
Diese Aussage ist bezeichnend. Unabhängige Quellen? Welche? Wo? Wann? Die Formulierung bleibt vage, fast verschleiernd. Der wahre Adressat ist klar: gemeint sind jene Katholiken, die nicht schweigen, wenn das Lebensrecht verhöhnt wird. Es sind nicht radikale Gruppen, die diese Debatte „zuspitzen“, sondern gläubige Christen, die sich der Wahrheit verpflichtet wissen. Die Politisierung und das Drängen in politische Dunkelecken, ist ein feiger Schritt.
Denn es waren eben keine ideologischen Randfiguren, sondern Juristen, Theologen, römisch-katholische Priester und katholische Laien, die in sachlicher Klarheit auf die gefährlichen Aussagen von Brosius-Gersdorf hinwiesen. Aussagen, die belegen: Diese Frau ist eine Gefahr für den künftigen Umgang in dieser Frage. Ihre Worte bei Markus Lanz, sie vertrete keine extremen Positionen, sind eine Farce – ein taktisches Manöver, das von willfährigen Medien und nun auch kirchlichen Stimmen gedeckt wird.
„Lebensschutz darf kein taktisches Argument sein. Wer versucht, ihn für gesellschaftliche Spaltung zu nutzen oder mit ihm gezielt Spannungen zu verschärfen, verfehlt seinen Sinn.”
– Erzbischof Dr. Udo Bentz
Ein Zitat, das man sich zweimal durchlesen muss. Was heißt das konkret? Wer „versucht“, Spannungen zu verschärfen? Jene, die Missstände benennen? Jene, die der Ideologie des Todes entgegentreten? Nein, die Spaltung liegt nicht bei den Verteidigern des Lebens, sondern bei jenen, die uns zwingen wollen, das Ungeborene zur Verfügung der Willkür freizugeben. Wer das Kind im Mutterleib entrechtet, der spaltet. Der Erzbischof legt nach:
„Lebensschutz ist ein hohes Gut – aber kein einfaches, gerade in den fragilen Stadien am Anfang und am Ende. Ich erlebe, wie sehr er Menschen fordert: persönlich, politisch, juristisch und auch seelsorglich. Wer ihn ernst nimmt, darf die Spannungen nicht übersehen, die daraus entstehen – in unserer Gesellschaft und in den Biografien einzelner.“
Was folgt daraus? Dass wir schweigen? Dass wir Kompromisse machen? Dass wir bei schwerem Thema keine klaren Linien mehr ziehen dürfen? Wer den Ernst der Lage erkannt hat, muss sprechen. Gerade weil der Lebensschutz herausfordert, ist es notwendig, ihn mit aller Deutlichkeit zu verkünden. Und wenn sich daraus Spannungen ergeben, dann ist das ein Preis, den man für die Wahrheit zahlen muss.
Die heiligen Worte unseres Herrn unterstreichen diese Haltung:
Mt 5:37: “Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein! Was aber darüber hinaus geht, ist vom Bösen.”
Unseren Bischöfen sollten diese Worte ins Gewissen greifen.
Doch S.E. Bentz feuert nach:
„Lebensschutz ist kein Thema einzelner gesellschaftlicher Gruppen. Er ist keine konservative Position, sondern Ausdruck einer humanen, solidarischen Gesellschaft. Wer das Leben schützt, besonders dort, wo es schwach, ungeboren oder bedroht ist, stärkt das Vertrauen in eine Gemeinschaft, die sich ihrer Verantwortung nicht entzieht.“
Nein, es ist eine absolut katholische Position. Wer das Leben wirklich schützt, muss auch den Mut aufbringen, sich gegen die Kräfte zu stellen, die es mit juristischen Argumenten zerstören wollen. Das ist kein parteipolitisches Anliegen. Hier versucht man sich aus einer heiklen unangenehmen Situation zu entfernen.
Wenn nun aber ausgerechnet jene diffamiert werden, die sich mit Hingabe und Sachkenntnis für den Lebensschutz einsetzen, dann stellt sich die Frage: Wer steht hier eigentlich auf welcher Seite?
Die gläubigen Katholiken, die mit Klarheit, Mut und Liebe das ungeborene Leben verteidigen, werden nicht müde, auch gegen Widerstand zu kämpfen. Sie lassen sich nicht einschüchtern – nicht von säkularen Journalisten, nicht von machtgierigen Juristen und schon gar nicht von fehlgeleiteten Bischöfen. Nein, wir sind keine Feiglinge. Wir sind keine Kompromissler.
Wir bekennen uns kompromisslos zum Leben.
Denn der Lebensschutz ist nicht „komplex“, er ist einfach: Du sollst nicht töten.
Wer das verteidigt, verdient keinen Verweis – sondern den Beistand seiner Hirten. Doch der bleibt, wie so oft in diesen Tagen, aus. Und so bleibt uns nur der Blick zum Kreuz – dorthin, wo der, der das Leben selbst ist, für unsere Sünden gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden ist.
Beten wir, dass der Glaube unsere Hirten ebenfalls aufersteht.