Mit der Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz beginnt eine neue Phase an der Spitze des deutschen Episkopats. Nach Bischof Georg Bätzing übernimmt damit ein Bischof, der sich öffentlich wiederholt als dialogorientiert, reformoffen und gesellschaftlich “pointiert” positioniert hat. Zugleich betont Wilmer geistliche Leitbegriffe wie Evangelium, Frieden und die Ausrichtung auf Gott.
Gerade diese doppelte Linie macht seine Wahl kirchenpolitisch bedeutsam: Einerseits spricht er von Gott als Zentrum, andererseits ist er für Positionen bekannt, die in zentralen Streitfragen der Kirche als stark progressiv gelten. Für viele Katholiken ist daher entscheidend, ob er unter seiner Führung vor allem päpstlich ausgerichtet oder eine Fortsetzung des “Reformkurses” anstrebt.
Bischof Heiner Wilmer an der Spitze der DBK: Geistliche Sprache, reformpolitisches Profil
Bischof Wilmer wurde am 24. Februar 2026 bei der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Er folgt auf Bischof Georg Bätzing und wird die Bischofskonferenz in den kommenden Jahren nach außen vertreten. In seiner ersten Ansprache setzte Wilmer einen geistlichen Ton und betonte, Gott müsse im Zentrum stehen. Auch sprach er von seinem Selbstverständnis als „Pilger auf dem Weg“, mit dem Evangelium in der Hand und dem Blick auf die Menschen.
Biographisch bringt Wilmer internationale Erfahrung und römische Prägung mit. Er stammt aus dem Emsland, gehört den Herz-Jesu-Priestern an und war sowohl in der Ordensleitung in Deutschland als auch später als Generaloberer seines Ordens in Rom tätig. Seit 2018 ist er Bischof von Hildesheim. Diese Kombination aus deutscher Kirchenwirklichkeit und Kurienerfahrung galt bereits vor der Wahl als ein wesentlicher Vorteil.
In der öffentlichen Wahrnehmung ist Wilmer jedoch nicht nur ein geistlich sprechender Bischof, sondern vor allem eine profilierte Stimme des “reformorientierten” Flügels. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt seine Aussage, der Machtmissbrauch stecke „in der DNA der Kirche“. Diese Formulierung wurde breit diskutiert, weil sie nicht nur konkretes Fehlverhalten kritisiert, sondern den Eindruck erweckt, als liege das Problem im innersten Wesen der Kirche selbst. Eine solche Sprache ist problematisch, weil sie leicht das Verständnis der Kirche als von Christus gestiftete und heilige Kirche verdunkelt.
Auch seine weiteren Äußerungen zeigen eine klare Linie: Wilmer fordert strukturelle Veränderungen, spricht von Gewaltenteilung, kritisiert eine auf Sexualmoral reduzierte Verkündigung und warnt vor einer Kirche, die zur bloßen “Moralinstitution” werde. Inhaltlich trifft er damit häufig Argumentationsmuster, die im kirchlichen “Reformdiskurs” seit Jahren dominieren.
Besonders sensibel sind seine Aussagen zu Pflichtzölibat, Frauenweihe und der Diskussion um Segnungen homosexueller Paare. Hier zeigt sich eine deutliche Offenheit für Debatten, die in Deutschland seit langem als Prüfsteine eines „Reformkurses“ gelten. Wer sich von der neuen DBK-Leitung eine klare Rückbindung an die beständige Lehre der Kirche erhofft, wird diese Positionen zurecht mit Sorge betrachten. Denn die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: Was zunächst als „offene Gesprächsbereitschaft“ formuliert wird, entwickelt schnell kirchenpolitischen Druck in Richtung faktischer Veränderungen.
Hinzu kommt Wilmers starke gesellschaftspolitische Positionierung, insbesondere seine Warnungen vor Rechtsextremismus und sogenannten Remigrationskonzepten. Solche Stellungnahmen entsprechen dem heutigen öffentlichen Erwartungsdruck an Kirchenvertreter und werden in Medien und Politik meist positiv aufgenommen. Dennoch bleibt die Frage, ob die Bischofskonferenz unter seiner Führung ihre eigentliche Sendung – Glaubensverkündigung, Sakramentenordnung, Seelenheil – klar genug von tagespolitischen Debatten unterscheiden wird.
Gerade darin liegt der entscheidende Punkt dieser Wahl: Wilmer verbindet geistliche Rhetorik mit reformorientierter Programmatik. Das kann nach außen verbindend wirken, weil er nicht so polarisierend auftritt wie andere Stimmen. Gleichzeitig kann genau diese Kombination dazu führen, dass tiefgreifende inhaltliche Verschiebungen in einem versöhnlichen Ton vorgetragen werden und dadurch weniger Widerstand hervorrufen.
Quellen: Deutsche Bischofskonferenz, Bistum Hildesheim, katholisch.de, domradio.de






