Sechs Jahre an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz sind in der Geschichte der Kirche kein langer Zeitraum. Und doch markieren die Jahre unter Bischof Georg Bätzing eine Phase, in der sich innerkirchliche Spannungen verdichtet haben. Was von seinen Befürwortern als „mutige Öffnung“ gefeiert wurde, war eine systematische Relativierung verbindlicher Lehre. Ein Kommentar.
Es hat sich abgezeichnet
Bereits zu Beginn seiner Amtszeit wurde deutlich, dass Bischof Bätzing zentrale lehramtliche Fragen nicht als abgeschlossen betrachtet. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Frauenordination. Während Papst Johannes Paul II. in Ordinatio Sacerdotalis unmissverständlich erklärte, „daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“, formulierte Bätzing 2020 zur Frage des Diakonats für Frauen:
„Das Diakonat für Frauen halte ich für sehr legitim. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir hier vom Synodalen Weg aus diese Bitte äußern, dass das hier auf der weltkirchlichen Ebene wirklich ernsthaft geprüft und eingeführt werden möge.“
Entscheidend ist dabei nicht allein die Forderung, sondern die dahinterliegende Hermeneutik. Auf die Frage, ob das Weiheverbot für Frauen seiner inneren Überzeugung entspreche, sagte er:
„Ich sage aber auch dazu […] dass ich dabei wahrnehme, dass diese Argumente vielfach nicht mehr aufgenommen werden. Und was ist eine Argumentation, die nicht verstanden oder nicht angenommen werden kann? Insofern sage ich: Für mich ist die Frage nicht abgeschlossen.“
Noch deutlicher trat dieser Ansatz in Fragen der Sexualmoral und des Katechismus zutage. Am 7. Juni 2022 erklärte Bätzing öffentlich:
„Ich bin dezidiert der Meinung, dass das nicht geht, was wir da als Kirche vertreten. […] Ich will den Katechismus verändern in dieser Weise. Dafür treten wir an.“
Diese Aussage ist insofern bemerkenswert, als sie nicht von einer vertieften Auslegung, sondern explizit von einer Veränderung der Lehre spricht – und das in einem Bereich, den der Katechismus klar definiert. Der Katechismus lehrt zu homosexuellen Handlungen, sie seien „in sich nicht in Ordnung“ und „in keinem Fall zu billigen“. Bätzings Forderung nach Änderung steht damit nicht in Spannung zu Randpositionen, sondern zur geltenden Lehre selbst.
Ähnlich argumentativ zeigt sich seine Haltung zum Zölibat. Zwar betont er regelmäßig, nicht „gegen den Zölibat“ zu sein, fügt aber hinzu:
„Ich kann nicht sehen, dass nicht die Ehe und das Priesteramt eine gemeinsame Bereicherung für diesen Dienst und für das gemeinsame Leben von Eheleuten geben könnte.“
Und weiter:
„Die Ehelosigkeit der Priester ist eine biblisch bezeugte Form der Jesus-Nachfolge […] Aber es ist nicht die einzige Form.“
Zölibat? Laut S.E. Bätzing zur austauschbaren Option erklärt.
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Besonders konfliktgeladen war Bätzings Rolle bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Bereits früh sprach er von der Notwendigkeit „öffentlicher Sichtbarkeit“ solcher Segnungen, „aber deutlich machen, dass keine Ehe gestiftet wird“. Nach Veröffentlichung der deutschen Handreichung „Segen geben – Liebe stärken“ erklärte er 2024, diese sei in Rücksprache mit Rom entstanden. Doch aus dem Vatikan kam der klare Widerspruch, das Glaubensdikasterium habe „nichts“ genehmigt, und Fiducia supplicans schließe „jede Form von Ritualisierung“ aus. Die Diskrepanz zwischen deutscher Darstellung und römischer Zurückweisung wurde so selbst zum Symbol einer Kirchenpolitik, die faktisch vorprescht und nachträglich Legitimation reklamiert. Halten wir hier fest, dass Fiducia supplicans ein verherrendes Dokument ist, welches garantiert eine Tür geöffnet hat, die bis dorthin verschloßen blieb. Aber selbst der liberale Flügel Roms zügelte deutsche Vorhaben. Es ging halt zu schnell.
Haltung zum Papst
Auch im Verhältnis zum Papsttum zeigt sich eine auffällige Spannung. 2024 sagte Bätzing:
„Diese Art, Kirchenführung durch Interviews wahrzunehmen, halte ich für äußerst fragwürdig.“
Noch weitergehend sprach er von „zweideutigen Botschaften“ und einem „subversiven Handeln des Papstes“, der zwar die Lehre nicht ändere, aber Fragen offenhalte.
Grundsätzlich kulminiert diese Haltung in Bätzings Verständnis von Lehrentwicklung. In einer Predigt sagte er:
„Die Weigerung der Kirche, ihr Verhältnis zur Welt zu bedenken, bedeutet nicht Treue zur apostolisch grundlegenden Vergangenheit, sondern sie verrät damit ihre geschichtlich bezeugte stete Durchdringung von Kirche und Welt.“
Und er fragte provokant, wie man heute behaupten könne, „die Kirche habe keine Vollmacht, ihre Lehre in der Auseinandersetzung mit der Gegenwartskultur und ihren Prägungen zu verändern“. Hier zeigt sich der Kern der Kontroverse: Lehre erscheint nicht mehr primär als empfangene Wahrheit, sondern als dynamischer Prozess im Dialog mit dem Zeitgeist.
Dass diese Linie international auf Widerstand stößt, zeigte der offene Brief von 74 Bischöfen weltweit, die dem Synodalen Weg vorwarfen, „mehr Unterwerfung und Gehorsam gegenüber der Welt und deren Ideologien als gegenüber Jesus Christus“ zu zeigen. In Deutschland selbst spitzte sich die Kritik weiter zu – etwa im Schweigen Bätzings zur Aussage der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf, die Menschenwürde beginne erst mit der Geburt. Die Antwort, es handle sich um eine „Personalfrage“, empfanden viele als pastorale Kapitulation in einer Kernfrage des Lebensschutzes.
Sechs Jahre Bischof Bätzing lassen so ein klares Muster erkennen: Nicht einzelne unglückliche Formulierungen, sondern eine konsistente Linie, in der definitive Lehre als diskursiv offen und die kirchliche Praxis als veränderbar galt.
In den letzten sechs Jahren traten knapp zwei Millionen Deutsche aus der katholischen Kirche aus.
Die katholische Kirche in Deutschland fährt gegen die Wand. Die Frage ist, wird es durch den neuen Vorsitzenden besser?
Beten wir für die Kirche und unsere Hirten.
Quellen:
- kath.ch – Nein zur Frauenordination ist unfehlbare Lehre
- CNA Deutsch – Bischof Bätzing: Weihe von „Frauenpriestern“ „ermöglichen“?
- Deutschlandfunk – „Das Diakonat für Frauen halte ich für sehr legitim“
- katholisch.de – Bätzing: Würde gerne Diakoninnen weihen
- Herder – Gute Katholiken sollten nicht päpstlicher sein als der Papst
- Vatican News – Bätzing: Katechismus beim Thema Homosexualität ändern
- WELT – Bischof Bätzing: „Kirche bringt gläubige Menschen ins Wanken“
- katholisch.de – Bätzing: Teile Unverständnis über Nein zu Segnung homosexueller Paare






