Die katholische Kirche bekennt seit jeher die Wirklichkeit der Engel und ihre besondere Beziehung zum Menschen. Engel sind reine Geistwesen, geschaffen von Gott und ganz auf seinen Willen ausgerichtet. Gerade deshalb sind sie uns Menschen nahe: Gott hat sie beauftragt, uns zu schützen, zu begleiten und auf unserem Weg zum Heil zu helfen. Der Hebräerbrief bringt diese Sendung der Engel in staunender Klarheit zum Ausdruck: „Sind sie nicht alle dienende Geister, ausgesandt zum Dienst derer, die das Heil erlangen sollen?“ (Hebr 1,14). Engel stehen nicht fern oder unbeteiligt über der Welt, sondern sie dienen – aus Liebe zu Gott und aus Sorge um den Menschen.
Die Schutzengel – unsere persönlichen Helfer
Eine vom kirchlichen Lehramt bezeugte Glaubenswahrheit ist die Existenz der Schutzengel. Jeder Mensch erhält von Gott einen eigenen Engel, der ihn von Geburt an begleitet. Diese himmlischen Begleiter stehen uns mit Rat, Schutz und Fürbitte zur Seite – oft verborgen, aber stets wirksam. Die Heilige Schrift und die kirchliche Tradition nennen mehrere Aufgaben der Schutzengel:
Schutz von Leib und Seele: Engel bewahren den Menschen vor Gefahren und Übeln, wie es etwa im Buch Tobit am Beispiel des jungen Tobias geschildert wird.
Abwehr des Bösen: Sie wehren die Angriffe böser Geister ab, wie der Erzengel Raphael, der den Dämon fesselte, der Tobias schaden wollte (vgl. Tob 8,3).
Innere Führung: Engel geben gute Gedanken, Eingebungen und Wegweisungen, etwa bei Philippus (Apg 8,26) oder dem Hauptmann Kornelius (Apg 10,3).
Fürbitte vor Gott: Sie bringen unsere Gebete vor den Thron Gottes dar und beten für uns, wie die Offenbarung bezeugt (vgl. Offb 8,3).
Viele Kirchenväter und Theologen gehen davon aus, dass Schutzengel meist dem unteren Engelschor entstammen. Andere wiederum – darunter große Heilige und Theologen – vertreten die Überzeugung, dass Menschen mit besonderer Verantwortung oder Heiligkeit von Engeln höherer Chöre begleitet werden. Ebenso glaubt die Kirche, dass nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gemeinschaften wie Länder, Gemeinden und die ganze Kirche unter dem besonderen Schutz von Engeln stehen. Im Prophetenbuch Daniel lesen wir dazu in Kapitel 10,3 vom Engelfürsten Persiens. In der Apokalypse des Johannes, in den Kapiteln 2 und 3, lesen wir von den Engel die den Kirchen vorstehen. Auch kirchliche Amtsträger wie Bischöfe oder der Papst dürfen auf einen besonderen himmlischen Beistand vertrauen.
Die Verehrung der Engel – ein geistlicher Reichtum der Kirche
Die Verehrung der heiligen Engel ist nicht nur erlaubt, sondern geistlich fruchtbar. Wie die Heiligen schauen die Engel Gott von Angesicht zu Angesicht und treten mit großer Kraft für uns bei ihm ein. Die Heilige Schrift kennt und billigt Ehrfurchtsbezeugungen gegenüber Engeln (vgl. Gen 48,16; Jos 5,13ff; Hos 12,4), warnt jedoch klar vor einem abgöttischen Engelkult, der Gott verdrängen würde (vgl. Kol 2,18; Offb 19,10). Diese ausgewogene Haltung prägt auch die kirchliche Lehre. Das Zweite Konzil von Nicäa (787) bestätigte ausdrücklich die Erlaubnis zur Verehrung von Engeldarstellungen. Zugleich erinnerte bereits die Synode von Laodizea daran, dass jede Engelverehrung auf Gott hin ausgerichtet bleiben muss.
Quelle: Vereint mit den Engeln und Heiligen, Ferdinand Holbök, S. 21-22






