Ignatius von Antiochien lebte etwa von 35 bis 110 n. Chr. und gehört zu den bedeutendsten Gestalten der frühchristlichen Kirche. Er war Schüler des Apostels Johannes, des Lieblingsjüngers des Herrn. Nach kirchlicher Überlieferung wurde Ignatius vom Apostel Petrus selbst zum Bischof von Antiochien geweiht. Antiochien nimmt in der Heilsgeschichte eine herausragende Stellung ein: „In Antiochien nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“ (vgl. Apg 11,26). Die Apostelgeschichte entstand um das Jahr 65 n.Chr. Viele Apostel und Augenzeugen Jesu Christi lebten noch. Auch die Briefe des Ignatius selbst entstanden auf seinem Weg zum Martyrium in Rom, nur wenige Jahrzehnte nach Christi Himmelfahrt. Sie sind ein eindrucksvolles Zeugnis der christlichen Wahrheit über die heilige Eucharistie, die wir heute in der katholischen Kirche finden.
Der historische Kontext
Vor diesem Hintergrund ist eine entscheidende Feststellung zu treffen: In dieser frühen Phase der Kirche ist es historisch und theologisch unmöglich, dass sich grundlegende Irrlehren über das Zentrum des christlichen Glaubens – die Eucharistie – unbemerkt oder flächendeckend hätten durchsetzen können. Die Apostelgeschichte entstand um 65 n.Chr., Briefen des Ignatius um 100 n.Chr., das Johannesevangelium um 90 n.Chr., und der Apostel Johannes lebte bis ca. 96 n.Chr. In diesen Zeitverhältnissen ist es unmöglich, dass ein einzelner Bischof verheerende Irrlehren verbreitet, die bis heute dogmatisch verankerte Wahrheiten darstellen. Ignatius bezeugt nicht eine spätere Entwicklung, sondern den lebendigen Glauben der apostolischen katholischen Kirche.
Das Verhalten der Irrlehrer
Im Brief an die Smyrnäer, Kapitel 7, richtet sich Ignatius scharf gegen Irrlehrer seiner Zeit. Sein Maßstab ist eindeutig: die Eucharistie.
„Von der Eucharistie und dem Gebete halten sie sich ferne, weil sie nicht bekennen, dass die Eucharistie das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus ist, das für unsere Sünden gelitten hat und das der Vater in seiner Güte auferweckt hat. Die nun reden wider die Gabe Gottes, die sterben in ihrer Streitsucht. Besser wäre für sie die Liebe, auf dass sie auch auferstehen. So ist es passend, von solchen sich fern zu halten und weder einzeln noch gemeinsam von ihnen zu reden, dagegen sich an die Propheten zu halten, ganz besonders aber an das Evangelium, in dem uns das Leiden geoffenbart und die Auferstehung klar dargelegt ist. Die Spaltungen fliehet als den Anfang der Übel!“
Dieses Zeugnis ist von außerordentlicher Bedeutung:
Die Eucharistie ist das Fleisch Jesu Christi, identisch mit dem am Kreuz geopferten und vom Vater auferweckten Leib.
Wer dies nicht bekennt, trennt sich selbst von Gebet und kirchlicher Gemeinschaft.
Die Ablehnung der Eucharistie ist für Ignatius kein nebensächlicher Irrtum, sondern eine lebensgefährliche Verirrung, die vom Heil trennt.
Damit steht fest: Bereits um das Jahr 100 n. Chr. war der Realpräsenz-Glaube nicht nur bekannt, sondern das entscheidende Unterscheidungsmerkmal zwischen Kirche und Irrlehre.
Der Schüler zitiert seinen Lehrer – den Evangelisten Johannes
Ignatius erfindet nichts Neues. Seine Lehre ist eine direkte Entfaltung dessen, was Christus selbst im Johannesevangelium sagt:
„Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6,55–56)
Die Reaktion der Zuhörer zeigt, dass Jesu Worte nicht symbolisch verstanden wurden:
„Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52)
Jesus korrigiert dieses Verständnis nicht, sondern verschärft seine Aussage. Er spricht nicht von einem Bild, nicht von einem bloßen Zeichen, sondern von einer realen, heilsnotwendigen Speise.
Ignatius greift genau diese Sprache auf:
Eucharistie = Fleisch des Erlösers Jesus Christus.
Keine Metapher, keine bloße Erinnerung, sondern sakramentale Wirklichkeit.
Auch die synoptischen Evangelien und der heilige Paulus sind eindeutig:
„Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ (Lk 22,19)
„Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14,24)
Jesus sagt nicht: „Das bedeutet meinen Leib“, sondern: „Das ist mein Leib.“
Die Kirche hat diese Worte von Anfang an wörtlich verstanden – wie Ignatius eindrucksvoll bezeugt.
Protestantismus – Bruch mit der eucharistischen Wahrheit
Der Protestantismus, der im 16. Jahrhundert entstand, verwarf die Lehre von der wirklichen Gegenwart Christi in der Eucharistie – sei es durch rein symbolische Deutung oder durch theologisch widersprüchliche Zwischenpositionen. Damit trennte er sich nicht nur von der katholischen Kirche, sondern vom einmütigen Zeugnis der Schrift und der frühen Kirche.
Ignatius zeigt unmissverständlich: Wer die Eucharistie nicht als das Fleisch Christi bekennt, steht außerhalb der apostolischen Glaubensgemeinschaft.
Diese Tragik wird bereits im Johannesevangelium vorausgesagt: „Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.“ (Joh 6,66). Es handelte sich um diejenigen, die Anstoß an den Worten Jesu Christi nahmen, dass er ihnen sein Fleisch zu essen und sein Blut zum trinken geben wollte. Nicht die katholische Kirche hat sich von der Wahrheit entfernt, sondern jene, die das eucharistische Wort Christi nicht ertragen konnten.
Eucharistie – Entscheidung für oder gegen Christus
Die Eucharistie ist nicht ein theologisches Detail, sondern Christus selbst. Wer sie ablehnt, lehnt nicht eine Lehre ab, sondern die Weise, wie der Herr bei seiner Kirche bleiben wollte. Er sagte, dass er bei uns bleiben wird bis ans Ende der Zeit. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6,56)
Im griechischen Urtext stehen hier die sehr konkreten Begriffe sarx (Fleisch) und haima (Blut) sowie das Verb trōgein („kauen / essen“), was jede rein symbolische Deutung ausschließt. Jesus spricht nicht bildhaft, sondern realistisch und bewusst anstößig – und nimmt die Abwendung vieler Jünger (Joh 6,66) ausdrücklich in Kauf, statt seine Aussage abzuschwächen.
Ignatius von Antiochien, Schüler des Apostels Johannes und Bischof der katholischen Kirche, steht als früher Märtyrer und Glaubenszeuge gegen jede Relativierung:
Die Eucharistie ist das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus.Wer die Eucharistie verlässt, verlässt die Wahrheit – und wer zur Eucharistie steht, bleibt bei Christus und seiner Kirche, der heiligen römisch katholischen Kirche, die sein Leib ist.






