Zum letzten Tag des Kirchenjahres

Vertraute Freundschaft mit Gott

Gewähre mir, Herr, die volle und dauernde innige Freundschaft mit dir, damit ich dich immer mehr zu lieben vermöge!

Der Liebende fliegt, läuft, und freut sich; er ist frei und wird durch nichts gehalten. Er gibt alles für alles und besitzt alles in allem; denn er ruht in dem Einen Höchsten, der über allem ist und aus dem alles Gute quillt und hervorgeht. Die Liebe kennt oft kein Maß, sondern glüht über alles Maß…
(Anmerkung: die Liebe ist ein Akt des Willens, der mit dem Willen Gottes gleichförmig sein möchte). Sie wacht unaufhörlich, selbst schlafend schläft sie nicht. Ermüdet, wird sie nicht lässig… sondern wie eine lebendige Flamme und brennende Fackel dringt sie nach oben und bricht sich weiter durch.
Das ist wahrhaft das Leben der Heiligen. Wir sind dazu berufen; denn alle sind wir zum Leben des Himmels berufen, wo es nur noch Heilige geben wird. Um dorthin zu gelangen, ist es wichtig, alle Akte unseres täglichen Lebens zu heiligen und uns daran zu erinnern: über den täglichen Ereignissen, angenehmen und unangenehmen, vorhergesehenen und unerwarteten, gibt es eine entsprechende Reihe wirklicher Gnaden, die uns von Minute zu Minute gewährt werden, damit wir aus diesen täglichen Vorkommnissen den besten geistlichen Nutzen ziehen. Wenn wir daran denken, werden wir diese Ereignissen nicht mehr ausschließlich vom Gesichtspunkt des Sinnenlebens oder von dem unserer mehr oder weniger durch unsere Eigenliebe irregeführten Vernunft betrachten, sondern vom Gesichtspunkt des übernatürlichen Glaubens her. Dann werden diese täglichen Ereignisse, angenehme und schmerzliche, wie Lehrstunden des Herrn sein, die praktische Anwendung der Lehre des Evangeliums; allmählich wird eine fast ununterbrochene Unterhaltung zwischen Ihm und uns zustande kommen; das wird das wahre innerliche Leben sein, eine Art Anfang des ewigen Lebens.

„… Du wirst mir das nicht mehr nehmen, mein Gott, was du mir einmal gabst in deinem eingeborenen Sohne Jesus Christus, in dem du mir alles gabst was ich ersehne. In ihm will ich mich erfreuen in der Gewissheit, dass du nicht säumen wirst wirst, wenn ich hoffe.
Warum aber säumst du, meine Seele, wenn du von diesem Augenblick an Gott in deinem Herzen lieben kannst?
Mein sind die Himmel und mein ist die Erde; mein sind die Völker, die Gerechten sind mein und mein die Sünder, die Engel sind mein, die Mutter Gottes und alle Dinge sind mein; Gott selbst ist mein und für mich; denn Christus ist mein und ganz für mich. Was suchst und verlangst du also, meine Seele? All dies ist dein und für dich“ (hl. Johannes vom Kreuz).

Quellen: Des Christen Weg zu Gott und Geheimnis der Gottesfreundschaft

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