Der Glaube an Gott ist kein primitiver Instinkt, wie es der moderne Mainstream verbreitet. Der Gottglaube fußt auf Vernunft und Logik. Der Glaube an Gott steht nicht im Widerspruch zur Vernunft, sondern wird von ihr gestützt.
Gott an seinen Werken erkennen
Ein zentraler Ansatz ist der kosmologische Gottesbeweis, der aus der grundsätzlichen Erfahrung der Kausalität hervorgeht: Alles, was existiert, hat eine Ursache. Wenn wir die Kette der Ursachen in der Welt zurückverfolgen, kann sie nicht unendlich ins Leere führen. Ein unendlicher Regress würde nie erklären, warum überhaupt etwas existiert. Deshalb muss es eine erste Ursache geben, die selbst nicht verursacht ist – eine notwendige, ewige Wirklichkeit, die allem anderen Sein vorausgeht. Diese erste Ursache nennen wir Gott. Die katholische Theologie erkennt darin einen Weg, wie der Mensch durch das natürliche Licht der Vernunft aus der Ordnung der Schöpfung auf den Schöpfer schließen kann. So spricht auch die heilige Schrift von der Gotteserkenntnis durch seine Werke.
„Was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit – seine ewige Macht und Gottheit – an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen. Daher sind sie unentschuldbar.“
– Römer 1,19-20
Der hl. Paulus bezieht sich im Brief an die Römer auf den alttestamentlichen Text aus dem Buch Weisheit, wo es heißt:
„Töricht waren von Natur alle Menschen, die Gott nicht erkannten und die aus den sichtbaren Gütern den Seienden nicht erkannten […] Wenn sie schon seine Macht und Wirksamkeit bewundert haben: hätten sie daraus nicht erkennen sollen, wie viel mächtiger der ist, der sie gemacht hat? Denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.“
– Weisheit 13,1-5
Auch der teleologische Gottesbeweis unterstreicht diese Schlussfolgerung. Die Welt offenbart eine erstaunliche Ordnung, Komplexität und Zweckmäßigkeit – von den Gesetzen der Physik über die Feinabstimmung des Universums bis hin zur faszinierenden Struktur des Lebens und des menschlichen Körpers. Diese Ordnung ist kein Produkt des Zufalls, sondern weist auf eine planvolle, intelligente Ursache hin. Der Glaube erkennt in dieser Intelligenz Gott als den Schöpfer, der nicht nur das Dasein ins Leben rief, sondern es auch mit Sinn und Ziel ausstattete.
Psalm 104,4: Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Psalm 139,14: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.
Ein weiterer Zugang ergibt sich aus dem moralischen Gottesbeweis, der in der Stimme des Gewissens spricht. Im Herzen jedes Menschen lebt ein Gespür für Gut und Böse, für Gerechtigkeit und Verantwortung. Dieses moralische Gesetz steht über individuellen Meinungen oder kulturellen Prägungen. Es verweist auf eine objektive moralische Instanz – auf einen Gesetzgeber, der dieses Gesetz in das menschliche Herz geschrieben hat. Diese höchste sittliche Autorität ist Gott. Ohne diese Grundlage bleibt das moralische Empfinden des Menschen letztlich unerklärlich.
Von dieser allgemeinen menschlichen Moral spricht auch der Apostel Paulus, im Brief an die Römer.
“Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, wie ihr Gewissen bezeugt und ihre Gedanken, die sich anklagen oder auch verteidigen.”
– Römer 2,14-15
Schließlich verweist auch der universale Gottesglaube der Menschheit auf die Existenz Gottes. In allen Kulturen und Epochen haben Menschen an eine höhere Macht geglaubt, selbst wenn sie diesen Glauben unterschiedlich ausdrückten. Der Atheismus bleibt in der Geschichte die Ausnahme – seine dogmatischen Formen haben nie eine breite Zustimmung gefunden. Dies deutet darauf hin, dass die Gotteserkenntnis nicht eine willkürliche kulturelle Konstruktion ist, sondern Antwort auf eine innere Wahrheit, die der Mensch erahnt und sucht.