Das Bluttuch von Walldürn gehört zu den eindrucksvollsten eucharistischen Wundern der Kirchengeschichte. Heute ist dieses Wunder einer der eindrucksvollsten Wallfahrtsorte in Deutschland.
Einem zweifelndem Priester geschieht das unglaubliche
Wir befinden uns im Jahre 1330 in Walldürn, im heutigen Bistum Freiburg. Kaiser Ludwig der Bayer regierte das Heilige Römische Reich deutscher Nation. In der Kirche des hl. Georgius feierte der Priester Heinrich Otto die heilige Messe und brachte Gott das hochheilige Messopfer dar. Nach der heiligen Wandlung, wodurch Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandelt werden, was Transsubstantiation genannt wird, geschah das unvorhersehbare. Der Pater stieß durch ein Versehen des Kelch mit dem Blute Christi um. Der konsekrierte Inhalt ergoss sich über dem Altare Gottes, der mit dem Korporale bedeckt war. Der Prieser war erschrocken, wie man es sich vorstellen kann. Wie konnte dies nur geschehen, wird er sich gefragt haben. Der Schrecken wurde wohl bis ins unermäßliche gesteigert, als er sah, dass sich auf dem Korporale kein undefinierter Fleck bildete, sondern klar geformte Muster mit einem Kreuzesbild des Heilands mitten auf dem Tuch.
Der Priester schien mit der Situation völlig überfordert gewesen zu sein. Erst das große Missgeschick, dass er den Kelch mit dem kostbaren Blute umstieß, dann das vermeintliche Wunder. Angst, Ehrfurcht, Anbetung, Schauder, Freude müssen sich in seinem Herzen geregt haben. Er wusste auch um die vielen Besucher der heiligen Messe, die Zeuge seiner Ungeschicktheit wurden, und auch schockiert waren. Doch mit dem Unterschied, dass diese das sich geformte Bildnis auf dem Korporale nicht sehen konnten. Der hochwürdige Pater wollte kein weiteres Aufsehen erregen und verbarg das blutgetränkte Tuch vor den andächtigen Gläubigen. Zu diesem Zeitpunkt konnte er noch nicht erahnen eines der größten Wunder seiner Zeit erlebt zu haben. Ein eucharistisches Blutwunder, welches seit Jahrhunderten den Glauben der Katholiken an das Altarssakrament stärkt, und einer der bedeutensten Wallfahrtsorte Deutschlands werden wird. So fasste er den Entschluss, als die Messe vorüber war und die Kirchenbänke sich leerten, den Altarstein anzuheben und das Wunderkorporale unversehens darunter zu verbergen. Gewissensbisse müssen den armen Priester geplagt haben. Dieses Wunder schwebte ihm permanent vor Augen. War die Entscheidung richtig? Hätte er anders handeln sollen? Viele Fragen stellte er sich. Die innere Unruhe kann man sich gut vorstellen. Kurze Zeit nach dem wunderbaren Geschehen wurde der Pater krank. Schwer krank sogar.
Am Sterbebett gesteht der Pater alles – das Wunder wird entdeckt
Eine Krankheit die zum unausweichlichem Tode führte. Vor seinem Heimgang zum Herrn ließ er den Beichtvater kommen und gestand alles, was es mit dem wunderbaren Blut auf dem Korporale auf sich hat. Er bat seinen Beichtvater darum, dies Wundertuch, welches elf dornengekrönte Antlitze Christi auf sich trägt, nach seinem Ableben aus dem Versteck hervorzuholen und zur Bewunderung und Anbetung auszustellen. Dieser Bitte kam die Kirche gewiss nach. Seither genießt das eucharistische Wunder von Walldürn, bis heute, einen enormen Zustrom von Pilgern. Viele Wunder und Wunderheilungen durch das Wunder von Walldürn sind bereits bezeugt. Wie es in der katholischen Kirche Sitte ist, da sie Wundern sehr skeptisch gegenüber steht, wurde das Walldürner Blutwunder gerichtlich untersucht.
Die Kirche bestätigt das Wunder
Die Echtheit wurde bestätigt. Papst Eugen IV, der vom 03. März 1431 bis zu seinem Tode am 23. Februar 1447 auf dem Stuhle Petri thronte, ließ sich die Prozessakten und das Wundertuch zusenden, um alles penibel zu untersuchen. Der Heilige Vater bestätigte das Wunder. Papst Eugen IV, überzeugt von dem übernatürlichen Ereignis von Walldürn, gewährte den Gläubigen einen vollkommenen Ablass, wenn sie während der Frohnleichnamsoktav die heilige Kommunion der Kirche von Walldürn empfangen. Als das Bluttuch aus Rom wiedergekehrt war, wurde zu Ehren des kostbaren Blutes auf dem wunderbaren Korporale eine wunderschöne Kirche erbaut, dessen Gnadenaltar bis heute tausende von Pilgern anzieht, welche das Blutwunder von Walldürn besuchen.